Roxanne Phillips über das Komische – vom Hanswurst bis zur Standup-Comedy
Shownotes
- Roxanne Phillips, In Serie G/gehen. Komische Modellierungen des Populären (Stranitzky, Normand, Ridley). In: Regina F. Bendix/Stefan Krankenhagen (eds.): HaHa. Auftritte, Kontexte und Problematisierungen von Komik und Lachen in der populären Kultur, Münster/New York: Waxmann. Open Access
- Jacqueline Novak, Get On Your Knees. USA 2024 (Netflix)
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00:00:00: Krumme
00:00:00: Straße ist der gemeinsame Podcast, der Zeitschrift Merkur und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.
00:00:07: Einmal im Monat sprechen wir mit Gästen aus Wissenschaft
00:00:09: und Kultur.
00:00:11: Manchmal interessiert uns ein
00:00:12: Thema, manchmal die Personen
00:00:13: und ihr Schaffen.
00:00:15: Entsprechend
00:00:15: unterschiedlich ist das Format der Gespräche.
00:00:18: Die krumme Strasse können Sie auch abonnieren
00:00:21: auf Spotify,
00:00:22: Apple-Podcasts,
00:00:23: YouTube
00:00:24: und überall wo es Podcast gibt Und natürlich direkt auf den Seiten des Merkur Und das KWI.
00:00:30: Gastgeber sind heute Hanna Engelmeier vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Eckehard Knörer, Herausgeber des Merkur.
00:00:39: Liebes Publikum der Krummstraße, Sie hören eine Aufzeichnung von dem neunzwanzigsten Juni, zwei Tausend sechsundzwanziger.
00:00:46: wir sind noch in den Ausläufern einer ersten massiven Hitzewelle.
00:00:52: Und wenn Sie uns hören, dann haben sie sich vermutlich schon längst wieder abgekühlt und können nun verfolgen wie wir – und das wird vermutlich der erste von vielen Kalauern heute – nicht nur ein heißes Thema anfassen sondern auch wie wir uns vielleicht die Köpfe heiß reden.
00:01:12: Wir sind heute Eckhard Knörer, Roxanne Phillips und ich Hannah Engelmeier.
00:01:18: Wir sprechen heute über Komik und genauer über die Frage, warum und wie wir in der Gegenwart also jetzt Komik wahrnehmen.
00:01:29: In Texten, Filmen oder Serien.
00:01:32: Man könnte auch nur von Texten sprechen.
00:01:34: ich habe neulich mitbekommen das zu nehmen uns verschwisterten und zumindest bei mir sehr bediebten Podcast Critics at Large mit Bezug auf Artifakt, den nur noch von Texten gesprochen wird.
00:01:46: Das hat mich sehr gefreut und ich habe überlegt es zu übernehmen und wollte dann aber verhindern dass wir Waschkörbe an Leserbriefen zu so einer irgendwie leicht altmodisch-symmiotischen Wende erhalten.
00:01:59: Deshalb uns interessieren Texte, Filme, Serien, Theater alles Mögliche was komisch ist und uns interessiert heute wie das Verhältnis von Lachen- und Schaudern funktioniert in einer Gegenwart die sich einem laut Nachrichtenlage oft eigentlich nur noch zu Letzterem anzubieten scheint oder vielleicht auch als Groteske.
00:02:22: Wir haben heute einen Gast, die in besonderer Weise dazu auskunftsfähig ist.
00:02:28: Und zwar ist es meine Kollegin Roxanne Phillips.
00:02:32: Roxanne ist Germanistin und seit Jahrzehnteinzwanzig wissenschaftliche Mitarbeiterin am KWI.
00:02:39: Sie verfolgt dort nicht nur ein Buchprojekt das sich den Thema Straucheln stolpern und stürzen widmet.
00:02:47: Damit ist gemeint, dass es um Funktion, Ästhetiken und Medialität des komischen Fallens geht.
00:02:54: Und ich habe mich gefragt ob's dabei auch ein Unterkapitel zum Thema Bananschalen geben wird?
00:03:00: Ich hab hier auch extra als Prop das können Sie jetzt hier nicht sehen eine etwas angedötzte Banane auf den Tisch gelegt.
00:03:08: vielleicht wird die später noch wichtig werden.
00:03:11: Roxanne kann uns also darüber Auskunft geben und widmet sich insgesamt der Frage, wie man diesen Top-Hors des Komischen nämlich das Hinfallen, das Miss oder Ungeschick als Motor dafür verstehen kann.
00:03:25: Wie komisch überhaupt interessiert?
00:03:27: Das ist eine Frage die Sie auch in anderen Projekten... beschäftigt und zwar unter anderem einem von ihr initiierten DFG Forschungsnetzwerk, das sich Komik als Kultur konstituierender Kulturtechnik widmert.
00:03:41: Und also würde eigentlich nicht ihre Tage und vermutlich auch Nächte schon ausreichend Aus Füllen.
00:03:49: steuert sie noch ein von mir sehr geliebtes By-Boot zusammen mit den Kollegen Paul Buckermann und Morten Powell, der ja auch schon hier zu Gast war.
00:03:59: In einem weiteren Projekt geht es nämlich um guilty pleasures.
00:04:02: also es geht um das eigentlich total peinliche dass wir uns aber mit Gusto reinziehen.
00:04:09: Also herzlich willkommen liebe Roxanne!
00:04:11: Es ist sehr toll, dass du in die komische Straße gekommen bist.
00:04:16: Das total peinliche ist eigentlich auch ein ganz gutes Thema, um mit dem anzufangen was wir uns heute vorgenommen haben als Abschlussrampe quasi zu benutzen.
00:04:31: Wir haben uns nämlich einen Auszug ausgesucht aus einem relativ aktuellen Comedy Special das auf Netflix zu sehen ist und wollen anhand dessen versuchen erstmal vielleicht auch verschiedene Abgrenzungen zu machen zwischen dem peinlichen, grotesken, komischen oder vielleicht auch witzigen.
00:04:51: Dass das alles nicht dasselbe ist müssen wir auch diskutieren möchten auf jeden Fall darüber sprechen in welcher Weise das in der Kultur der Gegenwart einer herausgehobene Form darstellt.
00:05:05: Das Comedy Special ist dafür besonders geeignet Und wir kommen also jetzt anhand eines jüngeren Eintrags ins Genre, in das Gespräch.
00:05:15: Wir hören einen Auszug aus Get On Your Knees von Jacqueline Novak.
00:05:21: Get on your knees war ursprünglich eine Show beim Edinburgh Fringe Festival aus dem Jahr two-tausend achtzehn und diese Show ist dann aufgegriffen worden von Netflix unter der Regie von Natasha Leon, also nochmal neu produziert worden und ist seit Januar oder Februar.
00:05:48: Wir hören eine Stelle ab ungefähr Minute sechzehn.
00:06:00: Das ist das meiste, was meine Freundin auf ihrem Körper machte.
00:06:06: Meine Freundin saß aus dem Schaum und sagte, schnell, findest du die kleine Frau an diesem Mann?
00:06:15: Aber ich habe instantan eine Antwort.
00:06:18: Es war nicht der Schulter!
00:06:20: Ich dachte, ich sehe sie gleich da.
00:06:22: Susan, der Name Susan, kommt mir instantan.
00:06:25: Seine Pienste sind Susan, aber schaut mal zurück.
00:06:27: Sie waren alle Susan zu mir.
00:06:28: Sie haben Susan, Geraldines, Vanessa... Was ich gesagt habe, die Piense sind eine kleine Frau ... Well, if you're a certain kind of guy who really doesn't like that idea then yeah.
00:06:38: That's exactly what the fuck
00:06:39: I'm saying!
00:06:41: But no it is more...it´s more like the rude stereotypes of women.
00:06:44: those were good descriptions to the penis all time Like describe women unfairly or probably describing the penis perfectly You know?
00:06:50: Oh they are so sensitive They always reacting to things.
00:06:53: They are meaty and naggy And poke you in the night.
00:06:56: Hello Are you
00:06:57: awake?!
00:06:58: Im awake!
00:06:58: I guess we both awake now.
00:07:02: Das ist ein Sensitive.
00:07:02: Die Penis ist die Nage, das Penis der Drama Queen.
00:07:06: Ich meine, die
00:07:06: ultimitische Drama Queen!
00:07:07: Es gibt nur eine Minute, Leben für den Party und dann wird die nächste Zeit floppt über und stürzt
00:07:13: auf dem Fähnsten
00:07:14: Kouchen.
00:07:14: Aber es ist in ihrer Feine, einfach für jemanden zu warten um zu bemerken, dass sie ehrlich gesagt verabschiedet ist.
00:07:22: Sie kann nicht mehr sein, sie sollte einen Sein machen, sie muss sich zur Seite stecken.
00:07:25: Ich mache mir keine Gesichter, das ist mein Gesicht.
00:07:29: Das ist das Gesicht, welches du getestet
00:07:33: hast.".
00:07:34: Hysterical Quality to it.
00:07:37: In the old sense, a proper turn of the century Vienna Freud's couch A proper neurotic hysteric.
00:07:43: The orgasm is kind of sudden revelation A hideous blurte dessert.
00:07:47: I kill father.
00:07:51: Ja, vielleicht haben einige diese Show schon gesehen.
00:07:55: Vielleicht sind andere neugierig geworden, vielleicht sind andere abgestoßen und werden sich das nicht angucken.
00:08:01: Insbesondere für Letztere würde ich kurz rekonstruieren was das für eine show ist.
00:08:07: also es geht um den penis.
00:08:11: ja es geht über den fallus.
00:08:12: es geht insgesamt insbesondere um blow jobs auf der auf der Oberfläche.
00:08:18: Eigentlich würde ich sagen, es ist eine Show über Geschlecht und Dominanz.
00:08:24: Und die Autorin und Performerin Jacqueline Nowak ist auf einer leeren Bühne zu sehen in einem sehr schlichten Outfit aus einem weiten lang grauen T-Shirt und einer etwas mitgenommenen Jeanshose und gut eingetragenen Turnschuhen.
00:08:42: Es ist eine sehr energetische Show, mit einem Mikro in der Hand und wie ich sagen würde, mit sensationeller Körperspannung über die Bühne bewegt.
00:08:54: Wir haben es nicht ausgesucht weil wir es kritikwürdig finden.
00:08:57: Ich sage gleich vorweg dass ich auch auf die Knie gehen würde vor dieser Show die ich mittlerweile fast mitsprechen kann.
00:09:07: aber
00:09:08: viel interessanter ist für uns hier und heute natürlich das was unser Gast dazu zu sagen hat.
00:09:14: denn Roxanne Als wir besprochen haben, dass wir über dieses Show ins Gespräch kommen würden, hatte ich dich gebeten Auszüge vorzuschlagen.
00:09:24: Du hast jetzt diesen gewählt?
00:09:27: Warum und was erfahren wir da drin über Komik der Gegenwart und wie das funktioniert?
00:09:36: Danke Hannah!
00:09:36: Und danke euch beiden für die Einladung.
00:09:41: Ich fange vielleicht so an.
00:09:42: Wir haben im Vorgespräch darüber gesprochen, ob wir in einer grotesken Gegenwart leben.
00:09:51: Und auf jeden Fall glaube ich kann man eine Tendenz zu Grotesker komik feststellen und damit meine ich komische Artefakte die lachen aber auch Beklemmung auslösen.
00:10:04: das können wir vielleicht im Genre von Late Night und so sehen also sagen politische Kommentierung der Gegenwart satirische Kommentierungen die uns schon lachen macht, aber natürlich mit einem relativ unguten Gefühl auch teilnehmen lässt.
00:10:23: Mein Lieblingsbeispiel ist hingegen das This Is Fine Meme also dass es dieser Hund der so Cartoonhund umgeben von Flammen an einem Tisch sitzt und stoisch sein Kaffee trinkt und sagt this is fine Genau, also das sind so Momente wo wir lachen durchaus auch vielleicht etwas ablachen aber die von einem Unwohlsein auf jeden Fall gekennzeichnet sind.
00:10:56: Und das hat meines Erachtens viel damit zu tun dass Beispiel jetzt Politik-Sphären vermischt werden die wir gewohnt sind getrennt zu halten oder die wir ja gewohnte getrenn zu halten.
00:11:08: Also Trumps Politik ist dafür ein sehr gutes Beispiel.
00:11:13: Da mischt sich Lügereien, sexuelle Gewalt ist auf einmal Teil von Politik alle Formen von Übergriffigkeit.
00:11:22: Politik die gemacht wird für den eigenen finanziellen Vorteil all diese Dinge.
00:11:28: und deswegen war eine Idee über also inwiefern die Gegenwart eine Groteske ist und wiefern das auch im komischen Widerhalt.
00:11:39: Das Grotesque ist ja etwas, was Unterscheidungskategorien irritiert.
00:11:47: Als ästhetische Kategorie hat es eine lange Geschichte, geht aus von dieser Ornamentik die man gefunden hat in der Renaissance in Italien wo man so Blumen ranken hat, die im Tierkörper übergehen, wo man also Anfang und Ende von Kategorie nicht ausmachen kann.
00:12:06: Also wo fängt das Tier an?
00:12:07: Wo hört die Blume auf?
00:12:10: Und ich finde, dass es mit dem Ausschnitt, den wir gerade gehört haben natürlich schon ein paar sehr lustige Momente gibt die daran anbinden.
00:12:17: Also zu sagen wo hört der Penis auf und wo fängt die Blume an?
00:12:21: Das ist ja so
00:12:22: ein Moment.
00:12:23: Fragen
00:12:23: die jeder hat!
00:12:27: Ich hatte das nicht um im Anfang deswegen ausgewählt aber als mich dann die Stellen mir nochmal angeschaut habe dachte ich mir ah da haben wir vielleicht ein bisschen Tigroteske Ornamentik.
00:12:37: Aber erstmal was wir hier haben Verkehrung von Kategorien.
00:12:43: Vorher, das haben wir jetzt nicht eingespielt, geht es darum die üblichen Beschreibungs... Die übliche Art und Weise den Penis zu beschreiben sind irgendwie hart und like a rock und solche Dinge.
00:12:55: Und sie kehrt das natürlich ins absolute Gegenteil.
00:12:58: bis dahin Dass der Penis zur Hysterika wird also die Ejakulation als hysterischer Anfall.
00:13:09: Momente, die wiederhallen mit dem Grotesken als einer ästhetischen Kategorie.
00:13:13: Also sagen etwas was um Körperöffnungen, um Sexualität geht.
00:13:18: es geht ja ganz viel um den um die Angst und Überwindung der Angst des Toothie Blowjob.
00:13:26: das Problem.
00:13:28: Ja also vielleicht nochmal auch als Nachherzählung ist er eigentlich startet die ganze Show damit dass Jacqueline Novak eine ja, sagen wir mal sehr robuste Formen der Sexualerziehung nacherzählt.
00:13:42: Sie ist mit verschiedenen Freunden zusammen und eine älteres Schwester.
00:13:47: einer dieser Freundin sagt so liebe Mädchen jetzt ist an der Zeit ich erkläre euch jetzt mal wie ein Blowjob funktioniert und diese Ursprungserzählung wird quasi immer wieder iteriert und sie macht sich halt Sorgen darum dass die Blowjobs die sie selbst gibt, also zu zahnlastig sein könnten.
00:14:10: und ja ich wollte jetzt sagen treibt das in der Show dem Höhepunkt zu.
00:14:20: Aber auf jeden Fall geht es darum.
00:14:23: was ich aber eigentlich so interessant finde auch in dem was du jetzt gerade schon hergeleitet ist dass in dieser in dieser Beschwörung und Überbetonung eigentlich das, worum es geht total zum Verschwinden gebracht wird.
00:14:37: Also wenn man sich jetzt auch die Beschreibungen anhört denkt man so ja das könnte irgendwie was sehr provokatives sein oder
00:14:45: gewollt provokatives,
00:14:47: indem transgressiv über intersexuale Praktik gesprochen wird.
00:14:52: aber eigentlich ist es so dass diese Form von Daueranrufung und von Erzählung immer wieder neue Beschreibungen neu belegen mit Spracher dazu führt, wenn man es so psychoanalytisch ausdrücken will.
00:15:12: Wie der Penis zu einem leeren Signifikant eigentlich wird.
00:15:16: Und das ist unheimlich lustig!
00:15:22: Wenn ich mich hier von der Seite einmischen darf ... ... unheimlich unlustig finde diese ganze, ich habe... ... dreißig Minuten durchgehalten.
00:15:30: Nicht weil ich es nicht gut finde auf eine Weise sehr gut gemacht.
00:15:33: Ich find das sehr intelligent.
00:15:35: Aber tatsächlich nicht lustig, aber ich hab grundsätzlich ein Problem mit Stand-up Comedy überhaupt, mit komisch formatierten Formaten sitcom und so was schlicht und einfach deshalb, weil ich glaube das letztlich in diesen Formaten alles zu lernen signifikant wird.
00:15:53: Es geht nur darum wie man sie verschieben kann so dass noch eine Porernte daraus wird.
00:15:57: Und ich sehe einfach diesen ständigen porernnten Druck und es strengt mich an und Ich finde es tatsächlich nicht lustig Weil ich finde dass hier gar nichts durcheinander gebracht keine kategorien durcheinander gebracht werden.
00:16:07: Es ist alles darauf angelegt eine puhante und komisch zu werden und das tut es und tut es.
00:16:16: Verkomifizierungen, die finde ich tatsächlich extrem unkomisch.
00:16:25: Ja gut aber ist das... Geht es über eine... Also weiß nicht an oder anders gesagt, geht es über Geschmacksfrage dann quasi hinaus?
00:16:33: Oder was findest du daran problematisch?
00:16:39: Es ist eine Formfrage.
00:16:40: Ich finde im Gegensatz zu etwas, wo ich auch andere Gefühle haben kann.
00:16:45: Wo das Erhabene mit dem Komischen, wo das Tragische mit dem komischen... ...wo das Unerklärte, das Gemischte, dass nicht wirklich Fassbare auch entstehen darf?
00:16:59: ist das ein Format, wo genau das eben nicht entstehen darf.
00:17:01: Sondern es entsteht immer wieder nur die neue Purante und der neue Witz.
00:17:05: Und das ist natürlich auch ingenius auf eine Weise zu sagen, es in immer wieder neue absurde Bilder zu bringen, Bildung einzuspeisen, Freude einzuspeisen.
00:17:15: Wie gesagt ich finde sie macht das sehr virtuos.
00:17:17: Sie macht aber etwas sehr virtuo was ich tatsächlich gar nicht komisch finde.
00:17:21: Ich finde ja schon also Das ist schon auch ein sehr spezielles Stand-up-Format, was sie in diesem Comedy-Special macht.
00:17:31: Weil
00:17:32: ich verstehe... Was du meinst mit dieser Pointenlastigkeit?
00:17:35: Das ist natürlich das Genre zugleich.
00:17:39: Sie redet ja unheimlich schnell!
00:17:41: Also man kommt kaum hinterher und das ist eigentlich gar nicht so typisch.
00:17:50: für viel Stand-up, die ich sonst kenne.
00:17:52: Also zeigen das man gar nicht mehr weiß wo beginnt der Witz und wo endet die Pointe so ein bisschen?
00:18:01: Das ist steuert fast die ganze Zeit über sich selber drüber in der Hass alles rauszukriegen, alles auszuerzählen.
00:18:09: Und was sie hier vermischt auf eine Art und Weise, die auch ich sonst sehr selten gesehen habe.
00:18:18: Sie hat eine unheimliche ... Sie hatte einfach eine Ebene von ... Sie hätte eine Poetik, könnte man sagen.
00:18:24: Und sie redet auch über Literatur und über Metaphern.
00:18:30: Also das ist sehr viel klüger und vermischt eben ne sehr Lowbrow-Ebene also der Witz über Sex und wie unangenehm solche Dinge sind.
00:18:42: aber zugleich hat ... Poetisiert.
00:18:45: es poetisiert ist etwas, was sonst als trivial und sozusagen nicht der Hochkultur würdig angesehen wird.
00:18:56: Und das macht sie schon ... Das macht sie sehr virtuos.
00:18:58: aber es ist wirklich nicht nur dass die das Format Stand-Up sehr virtus bedient sondern dass sie wirklich da etwas macht, was man sonst nicht so häufig sieht.
00:19:04: Würde ich auch sagen insbesondere mit Blick auf das Timing zum Beispiel also weil ich würde sagen es ein Standardformat von Zeichen Comedy Specials, weil dieses Pause for Effect eigentlich ist.
00:19:17: Also dass irgendwie sehr viel mit Retardierung gearbeitet wird und dann Zeit gegeben wird damit der Witz wirklich einsinken kann oder die Pointer wirklich einsinken kann Und das ist hier gar nicht so sondern es wird im Prinzip die ganze zeit überboten.
00:19:32: und ich kann aber auch nicht sagen Dass das eine Show ist komplett ambivalenzfrei ist.
00:19:43: Das würde ich überhaupt nicht so sehen, weil es also so ist das irgendwie in den Formen der Selbstermächtigung, die es dabei ganz stark geht um die Umkehrung von einer Dominanzfigur nicht transgressiv ist, was jetzt die Darstellung von Sexualität angeht oder so sondern eigentlich die Darstellung von Machtverhältnissen und die Unverschämtheit und die Schamlosigkeit finde ich mit der das gemacht wird.
00:20:21: Es ist, würde ich sagen prall und es massiv aber ich finde dass überhaupt unambivalent, weil es eben gleichzeitig so ist, dass die Frage stellt oder mir zumindest.
00:20:38: Inwiefern das dann überhaupt funktionieren kann, weil was dargestellt wird ist eigentlich ein Problem.
00:20:44: Nämlich die Übernahme im Prinzip auch von teilweise patriarchalen Dominanz-Gesten und eben eine Aneignung davon.
00:20:54: Und die finde ich alles andere als ungebrochen und die wird auch in ihrer Stimmarbeit sehr gut thematisiert, dadurch dass sie immer mal wieder diese so Baby-Mädchen-Stimme macht und das damit sich selbst irgendwie lächerlich macht dann immer wieder eine der quasi Interjektion die sie immer wieder einwirft ist sozusagen ne Umkehrung des Alexanderklugischen.
00:21:25: Ja?
00:21:26: Da sieht man so no!
00:21:27: Und dann wird irgendwie schickt sie sich dann wieder immer ins Off fällt sich selber irgendwie immer wieder ins Wort auch.
00:21:37: Und ich finde, das ist alles andere als so ein Eindeutigkeitstheater sozusagen?
00:21:47: Nee, das würde ich ja überhaupt nicht sagen und ich finde es auf der Inhalts-Ebene... Hast du aber!
00:21:50: Nein, nein, ich habe gesagt, es ist formal immer dasselbe.
00:21:56: Auf der Inhaltsebene passiert da natürlich total viel.
00:22:00: Nur mein ewiges Ungenügen mit diesem Format ist, es läuft halt immer zu auf eine Pointe Und schadet natürlich auch, dass das hier von dem Live-Publikum eingespielt ist.
00:22:10: Was man zum Format gehört.
00:22:12: Dass natürlich ständig lacht und dafür ist natürlich auch ständig Zeit.
00:22:15: Sie wehrt es nicht ab.
00:22:16: Einmal sagt sie auch in den dreißig Minuten die ich gesehen habe – I take it!
00:22:20: Also sie lädt dazu ein, die puhrenten Rezipieren zu lassen.
00:22:25: Es stimmt, dass dieses große Tempo hat, viel Energie hat.
00:22:28: Auch, dass sie ständig über die Bühne rät.
00:22:30: Das hat in sich eine starke Konsequenz.
00:22:35: Ich dachte, wir sprechen hier über Komik.
00:22:37: Und ich versuche zu erklären, warum ich das, obwohl ich es superintelligent finde ... nicht komisch finde und auch eigentlich auf die Dauer so anstrengend, dass ich's nicht weitergucken würde freiwillig?
00:22:50: Ich würde vielleicht dazu sagen... Es stimmt einfach nicht, dass Komik für alle ist.
00:22:57: Jedes komische Artefakt hat sein eigenes ... Publikum, dass damit was anfangen kann und das es auch affiziert oder eben abstößt.
00:23:06: Das sehen wir an genügend Debatten der letzten Jahre.
00:23:08: ob da so Leute wie Dieter Nuhr oder dieser Eckhardt usw.
00:23:11: sofort sind darf man das noch zeigen und soweit dann sofort.
00:23:13: und dann regnen sich die einen auf und die anderen regen sich auf, dass sich andere aufregen und das hat sozusagen diese ganze Dynamik.
00:23:20: aber was komisch auf jeden Fall tut glaube ich unabhängig davon ob man ein einzelnes komisches Artifakt persönlich nach seinem auch nach dem eigenen Geschmack findet ist, es affiziert auf jeden Fall.
00:23:33: Es macht was sozusagen Abstoßung oder man dacht und geht da rein.
00:23:39: Und Stand Up ist natürlich eine Genre, was auf diese Affizierung auf eine Art und Weise gebaut ist die kaum ihresgleichen Can't Reson vielleicht Horrorfilmen oder so.
00:23:51: also das ist wirklich alles darauf gebaut.
00:23:56: Das Stand-up Special jetzt, also diese Netflix-Specials oder HBO-Specals muss man sich auch vor Augen halten.
00:24:04: Nicht nur dass jetzt Novaks ein Stück eine Genese von vor dem Jahr zwei Tausend Achtzehn hat weil wenn sie zwei Taussend Aachzehn bei Fünsch damit aufgetreten ist dann hat sie das natürlich auch vorher schon Dinge mit geübt gehabt.
00:24:16: aber Auch diese Aufzeichnung, das sind dann mehrere Abende die aufgezeichnet werden wo man auch nachher natürlich nachbearbeitet und schneidet um den besten Effekt für das Zweitpublikum wieder zu generieren.
00:24:29: Und dass es erst publikum da hört ist auch eine gewisse Notwendigkeit für diesen Effekt um sozusagen des Zweitpopulikum reinzunehmen ins Lachen einzugemeinden.
00:24:44: Man lacht einfach zusammen auch besser.
00:24:47: Das ist natürlich Teil... Wobei der Geschmack
00:24:49: da ja auch immer auseinander geht, also es gibt bei den Sitcoms schon immer die mit der Lachspur, es gibt die vor live Publikum aufgezeichneten Friends und andere haben eine künstliche Lach-Spur und noch andere verzichten ganz auf das Lachen.
00:25:02: was mir wie man sich denken kann das Liebste ist weil ich diese ständige Einverständigkeit, dass hier muss jetzt aber gelacht werden Nötigungen, mit der ich gar nicht gut klar komme in diesen Formaten.
00:25:19: Ich finde die Frage des Publikums und der Lachspur eigentlich auch ganz interessant dass es geht natürlich über dieses Format hinaus weil das eben ein formales Mittel ist, das eben im Stand-up aber eben auch in Serien verwendet würden.
00:25:35: Das ist ja auch eine der Grundannahmen eures Netzwerks Comic Literacies, das Komik in der Interaktion von Produzenten und Publikum interessiert.
00:25:45: Das heißt es ist ein kollaborativer Akt
00:25:49: der
00:25:50: aber eben – und das sehen wir hier immer auch exklusiv ist.
00:25:55: Weil er für diejenigen, die halt nicht mit können so wie Eckhardt in diesem Fall ...
00:26:00: Also inhaltlich würde ich sagen schon?
00:26:02: Ja also formal von mir aus.
00:26:04: Es ist ja egal aus welchen Gründen aber du kommst halt an einem bestimmten Punkt nicht weiter und sagst dann das nervt mich mach das jetzt aus.
00:26:11: Für diese ist es halt besonders ausschließend irgendwie auch.
00:26:15: Wie würdest Du das hier beschreiben?
00:26:19: Wie das funktioniert?
00:26:22: Also man muss jetzt hier vielleicht auch nochmal differenzieren zwischen Stand-up auf der Bühne und ich sitze im Publikum.
00:26:30: Und natürlich diese Aufzeichnung, weil Stand up auf der bühne kann nämlich scheitern.
00:26:36: da kann ich sozusagen eine Pointe bringen und es kommt kein Lachen zurück und das ist dann vielleicht peinlich und unangenehm.
00:26:48: Da muss man auch noch mal so ein bisschen differenzierend wie Interaktion zwischen Publikum und Performaperformerin stattfindet.
00:26:59: Hier ist sie natürlich stark vorgegeben durch das, was uns angeboten wird.
00:27:05: Was Stand-up letztendlich machen muss, ist eine Art Intimität herzustellen.
00:27:13: Und in dem klassischen Set up – so wäre kleine Bühne, da sitzen zehn Leute und es ist Open Mic oder so funktioniert das natürlich besser, weil es schon räumlich so angelegt ist.
00:27:27: Bei diesen Comedy-Specials haben wir diese immens großen Säle die bespielt werden müssen und da muss diese Intimität irgendwie anders hergestellt werden.
00:27:39: Das passiert auf der einen Seite dadurch dass natürlich die Performerin der Performer mit relativ alltäglicher Kleidung daherkommt als würde man oder eine gute Freundin erzählt jetzt einfach vor sich hin.
00:27:51: Also, auf dieser Ebene passiert das.
00:27:55: Das Mikrofon als Medientechnik hat auch viel damit zu tun, dass man sozusagen – das ist bei ihr weniger der Fall – aber dass man sehr geflüsterte Worte oder hörbar bis ans andere Ende des Saals transportieren kann.
00:28:11: Das sind so Momente die dazu beitragen... den Eindruck oder die nicht vorhandene Intimität zu dissimulieren, vielleicht so rum?
00:28:25: War das jetzt eine Antwort auf deine Frage?
00:28:26: bei sich noch nicht.
00:28:29: Ja, das weiß ich auch nicht genau aber zumindest sehr viel guter Anlass zum weiter sprechen und meine das Ganze hat ja auch eine historische Dimension.
00:28:46: Und man könnte sich jetzt fragen, auch wenn man alles das was du jetzt gesagt hast die Intimität, die eigentlich dafür notwendig ist und so weiter.
00:28:56: Die Besonderheit der Specials, die eben das genau nicht machen und dann irgendwie versuchen müssen trotzdem die Form zu warnen oder eben neu zu erfinden wie... Ja, also wie gegenwärtsabhängig ist das eigentlich?
00:29:15: Dass das funktioniert.
00:29:16: Also man jetzt auch auf dieses Special beispielsweise abbildet welche Chancen hat das länger als vielleicht jetzt eben zwei Jahre später noch komisch gefunden zu werden.
00:29:29: und wie stellt man das her?
00:29:32: Ich würde sagen diese Special hat relativ gute Chancenen je nachdem wie sich die politische Lage in den USA weiterentwickelt, vielleicht dazu gesagt.
00:29:41: Aber es gibt ja auch Stand-ups, diese Late Night Formate oder Saturday Night Live oder so, die sehr tagispolitisch kommentierend sind und das kann man nicht sehr gut ein Jahr später abspielen weil man nicht gerade die Referenz gegenwärtig hat, die diese Woche durch die Medien geht und mit der dann gearbeitet wird.
00:30:03: also ich glaube Nurwerk hat da sehr viel bessere Chancen, weil sie eigentlich von dem politischen Tagesgeschehen entrückt ist.
00:30:11: Das heißt aber nicht ... Ja,
00:30:12: ich kann man so sagen!
00:30:14: Aber das heißt nicht dass Sie nicht... Also es gibt trotzdem Erfahrungshorizonte und ein gewisses Wissen, dass Ihre Zuschauerinnen haben an das sie anschließen und das braucht Komik immer.
00:30:30: Und das kann eben unterschiedliche Formen annehmen.
00:30:34: Also, welthistorische Ereignisse, irgendwas ist diese Woche passiert.
00:30:39: Aber eben auch die Erfahrung ein Körper zu sein – das ist jetzt vielleicht natürlich eine gegenderte Sache, aber die Erfahrung von der Furcht des Toothie Blowjob oder sowas.
00:30:54: Das sind alles Dinge, die wiederhallen können und bei allen Personen unterschiedlich wiederhahlen.
00:31:03: Aber ohne diese Verknüpfung mit einem Wissen wird das keine Komik zustande kommen.
00:31:11: Man kann manches von diesem Wissen einspeisen als Performerin, in dem man einfach sozusagen eine Tangente macht und irgendwas erklärt.
00:31:19: Diese Woche ist XY passiert für diejenigen, die es nicht mitbekommen haben oder welche Erfahrungen auch immer.
00:31:29: diese körperlichen Ebenen, die sind häufig gar nicht so erklärungsbedürftig.
00:31:34: Die werden stark untermalt oder hervorgehoben durch den Körper auf der Bühne natürlich auch egal ob er sozusagen das nachmacht oder andeutet oder genau verweigert aber die sind gar nicht zu erklärung bedürftig wie vieles andere wissen.
00:31:53: also dass sind diese Comic Literacies von denen wir im Netzwerk sprechen Das PerformerInnen und zuschauende oder Rezipientinnen benötigen, um etwas als komisch wahrzunehmen.
00:32:04: Also ich würde ja bei dem hier schon sagen dass das extremst kulturspezifisch ist wie er gesprochen wird wie überhaupt über Sex gesprochen werden darf wie nicht über Sex gesprochen wird.
00:32:18: es gibt natürlich die Mehrzahl der Kulturen auf dieser Welt für die wäre das völlig undenkbar auf diese Weise über Sex zu sprechen.
00:32:25: Es wäre aber auch für viele andere in diesen Kulturen sehr, sehr strange was hier passiert.
00:32:32: Also diese extreme Fokussierung auf den Sexualakt.
00:32:36: Das versteht sich ja auch in einer westlichen Kultur nicht von selbst.
00:32:39: Der komplette Verzicht auf Sexualität in Verbindung mit romantischer Liebe ist extrem kulturspezifisch.
00:32:48: Ich glaube so ein bisschen weil wir an dieser Kultur schon sehr stark drin sind sehen wir nicht wie.
00:32:59: Ich würde da auch total zustimmen, ich würde aber noch daneben einwerfen dass ein Netflix Comedy Special nicht nur in USA rezipiert wird sondern tendenziell von einem sehr kleinen lokalen Publikum ihr darauf abzielt in ein weltweites Publikums zu gehen.
00:33:16: Man müsste sich jetzt mal anschauen was ihre Rezeption in anderen ...
00:33:20: Sauli, Arabien.
00:33:22: Genau also es wird natürlich nicht überfunktioniert das würde ich gar nichts sagen.
00:33:25: aber ich würde auch... Ich würde einfach... Es gibt ja keine homogene Kultur.
00:33:31: Also wenn wir hier schon sehen es gibt Leute die darauf anspringen und Leute die sagen danke nein danke dann ist das in vielen anderen Kulturen auch Die Menge der Personen die da einen Zugang zu haben wird vielleicht nochmal anders sein.
00:33:45: Ich sehe gar keine Probleme.
00:33:48: Also mein... ich hab Familienindien, da gibt es schon Leute wo ich mir sehr gut vorstellen kann dass sie das sehr witzig finden.
00:33:56: Ja, ich würde gerne noch auch korrigierend einfügen.
00:34:00: für diejenigen, die erst nach einem Stunde gesehen haben ist stimmt nicht, dass es eine Abkopplung gibt an dieser Stelle von Sex und romantischer Liebe.
00:34:09: Das wird eigentlich gerade im zweiten Teil sehr deutlich oder sehr ausführlich kommentiert, wo sie ihre Beziehungsbiografie stärker aufarbeitet und quasi der Status des Toothie Blowjobs in dieser Biographie nochmal nachgearbeitet hat.
00:34:30: Könnte man sagen.
00:34:31: Und eigentlich ist eben auch darum geht wie diese Form von romantischer Liebe auf einer Art komisch wird wenn diese Art von Fokussierungen auf den Sexualart, indem er eine bestimmte Praxis dort so stark ins Zentrum rückt.
00:34:53: Und das würde ich sagen wird da durchaus auch als problemkenntlich könnte man irgendwie sagen Und was nach einer anderen Dimension ist jetzt abgesehen davon, ob das als komisch interpretiert oder gelesen werden kann.
00:35:09: Also ob es eine Comic Literacy für das gibt?
00:35:12: Ist eine andere Frage.
00:35:13: ja auch, dass weibliche Sprechen überhaupt das auftreten und das produzieren von Gender in diesem Special.
00:35:23: Das ist eine der Fragen die dich an deiner Forschung zum Komischen sehr stark... beschäftigt.
00:35:29: Also wie wird Gender produziert, auch pervertiert im Prinzip durch Komik?
00:35:38: Da ist ein sehr interessanten Handbuchartikel geschrieben und muss auch mal hervorheben dass es sehr interessant Handbuch-Artikel
00:35:45: gibt
00:35:46: über Crossdressing und Komik.
00:35:49: und darüber musste ich nochmal nachdenken als mir das Special zum Wiederholten mal angeschaut hat weil die Uniform würde ich jetzt mal fast sagen, die Jacqueline Novak da trägt auffällig ist.
00:36:03: Es gibt ein Porträt über sie das der Zeitschrift New Yorker im Januar zwentausend vierundzwanzig erschienen ist in der es relativ stark oder sehr ausführlich beschrieben wird wie sie das ausgewählt hat und geht also nicht nur darum wie sie verzweifelt versucht sich eine passende Hose zu kaufen die sie da tragen kann sondern auch das kommt schon ganz am Anfang vor, dass sie während dieses specialsten Sportbh trägt und dann darüber reflektiert.
00:36:32: Why do I feel the audience is out of separation off my breasts?
00:36:36: Also wie soll sie da auftreten?
00:36:40: Und ich hatte mich gefragt ob das nicht so abgesehen davon, dass ihr jetzt sagt, sie trägt das halt besonders gerne.
00:36:49: Ob es nicht irgendwie auch darum geht mit dieser Art von Klamotte in einem Special, das sich eben mit all dem auseinandersetzt, worüber wir jetzt schon gesprochen haben.
00:37:01: So wenig wie möglich so als Frau in Erscheinung zu treten und Gender irgendwie anders zu erzeugen.
00:37:10: Und ich wollte dich nochmal auch nach dem komischen Potenzial davon fragen und wie das insgesamt vielleicht funktioniert.
00:37:20: Du
00:37:22: musst jetzt mal kurz nachdenken.
00:37:24: Ja, bitte!
00:37:28: Also es stimmt natürlich sie trägt eine Unisex-Uniform könnte man im weitesten Sinne sagen Sie kommt da natürlich nicht drum herum dass sie trotz also es gibt trotzdem ja auch eine Inszenierung von Weiblichkeit.
00:37:45: allein der Pferdeschwanz ist das ein sehr... eine große Mähne mit dem Pferdischwanz nach hinten zusammengebohnt.
00:37:52: Das ist ja schon sehr girly und sehr jugendlich, um sozusagen spielt in diese ganze Coming-of-Age Geschichte die sie da erzählt.
00:38:04: Was ich interessant finde ist dass es ja auch in ihrer Nacherzählung ihre Entdeckung von Sexualität und wie sie damit umgeht stark ein Ausprobieren von verschiedenen Selbstpräsentationen im Leben gibt.
00:38:21: Also es gibt einen Moment, wo sie erzählt – also sagen Sie damit kockiert – dass sie in einem Buchladen im Schaufenster sitzt, in Schuluniform und Nabokoffsel-Liter liest und sich drüber... Also sehr witzig findet das die Männer, die vorbei laufen, die Blicke natürlich hängen bleiben!
00:38:45: Also das heißt, es gibt immer diesen Moment von Bühne und selbst sehr ineinander verschränkt.
00:38:56: Und als Komedian jede Person die Auftritt auf einer Bühnen ist natürlich erstmal eine Kunstfigur.
00:39:07: Mein Eindruck ist eher dass sie versucht über diese Uniform möglichst nicht darauf anzuspielen.
00:39:18: Nein, ich bin mir tatsächlich nicht sicher, wie das da geht.
00:39:21: Es gibt ja eine Stelle, erzähle mich am Anfang ... Ich hab ja auch nur die ersten.
00:39:25: Das haben
00:39:26: wir nicht oft genug
00:39:27: zu tun!
00:39:30: Wo sie die Tatsache, dass sie die ganze Zeit über die Bühne rennt, damit erklärt, dass Sie nicht imposenfest gefroren sein will in der Fantasie der zuschauenden Männer sexualisiert wird.
00:39:43: Also das ist schon ein Thema im ... Es
00:39:48: ist Thema, aber sie kann es nicht einlösen.
00:39:50: Also sie kann das nicht einlösen.
00:39:52: Nicht nur über das, was sie erzählt sondern weil sie eben trotzdem diesen Pferdischmanns hat der einfach für mich wirklich sehr mit diesem Highschool Jugendlichkeit irgendwie zusammen gedacht ist.
00:40:04: und das mag sie gemacht haben, weil es heiß ist aber Sie können dem sozusagen nicht davon rennen was sie die ganze Zeit macht.
00:40:10: also Kreuzung kreuzt ungefähr über die Bühne Und Es gibt noch dieses andere Moment was einfach dieses sehr viel sehr schnell reden ist Tendenziell als weiblich konnotiert ist.
00:40:24: Das ist auch noch drin?
00:40:25: Ja, also ich finde das einerseits eben durch dieses Rennen oder Marschieren hat unterschiedliche Konnotation und zwar einmal der extremen Anstrengung dass es eine sportliche Übung ist irgendwie dieses Geschlecht zu performen.
00:40:46: Also eigentlich auch fast eine Kampfsportart Und es hat auch was marschierendes.
00:40:52: Es hat irgendwie gleichzeitig etwas von einer extremen Disziplin, ich finde die Körperarbeit, die sie macht auch wirklich ganz erstaunlich.
00:41:03: also weil sie teilweise fast tanzt könnte man sagen.
00:41:07: Am Ende macht sie ja noch so ein paar Ballettsprünge und ich glaube das deshalb auch diese Frage nach dem Sport-BH zum Beispiel kein Zufall ist oder nicht irgendwie einfach so ein nebensächliches Detail der Herstellung dieser Projektionsfläche, die sie da eben einbindet.
00:41:33: Und dann Ist die Spracharbeit, das Tempo würde ich sagen eine Verdopplung dessen weil es eben auch ein Rennen ist.
00:41:44: Es sind Spurten eigentlich was sie macht und das wird an der Stelle, die ich vielleicht mit einem stärksten finde, speziell ja auch noch mal thematisch als Sie eben beschreibt wie sie den Vater von einem ihrer ersten Boyfriends irgendwie trifft und der ihre Sprache kritisiert, weil er sagt sie würde zu oft Like sagen.
00:42:07: Und das würde irgendwie als so ein bisschen unintelligent rüberkommen.
00:42:12: Dann sagt sie sowas wie ja ... Du erst mal EU guck mich nicht an ich bin mit deinem Sohn zusammen ... idet sozusagen und hör auf, meine Sprache zu kritisieren.
00:42:28: Weil ich streue die Likes da nur ein damit du so kleine Stoppsteinchen hast, damit du überhaupt mitkommst bei der irgendwie... Bei dem brillanten Strom meiner Rede, der hier über dich niedergeht freudig ist dass das so über dich hinweg spülen darf.
00:42:47: Und das würde ich sagen es dann quasi die Übersetzung auf dieser auf dieser Ebene für das, was dort eben auch in der Kleidung performiert wird.
00:43:03: Also vielleicht kann man... also für mich die Meta-Frage, die daran schon interessant ist, ist Was eigentlich performt sie mit der Performance?
00:43:13: Und ich glaube schon Sie performt so ein Power und Self Empowerment und natürlich schon auch ein ständiges Abwehren von Verletzlichkeit.
00:43:23: Die Uniformierung, das immer weiterreden.
00:43:25: Das Tempo hochhalten und noch eine Point – also wie gesagt, das passt nicht daran.
00:43:30: Aber das ist natürlich in der Metaperformance tatsächlich eine Souveränitätsperformance auch wenn die ständig neu aufgebaut werden muss.
00:43:39: Du hast sehr zurechtgesagt.
00:43:41: in der realen Situation bei Stand Up ist man tatsächlich unter Umständen ausgeliefert und es kann sehr an die Hose gehen.
00:43:48: Das ist hier sowieso als Gefahr nicht gegeben und deswegen ist das für mich auch so eine fast schon überpowerte Performance.
00:43:56: Aber sie ist natürlich auch verständlich, also sagen Abwehr gegen Verletzlichkeiten die man auf dieser Bühne und als Frau ganz sicher auch nicht haben will.
00:44:06: Dafür, dass vielleicht dann noch ne Rückfrage also an dich, also dein... es nicht lustig finde.
00:44:16: Liegt es auch daran, dass durch die formalen Setzung, die das Special notwendigerweise macht sich diese Form dem Scheitern auf eine Art nicht preisgeben kann?
00:44:26: Also es kann passieren, dass jemand eben zu Hause am Empfangsgerät sitzt und es halt nicht lustig findet.
00:44:30: Das kriegt die Person da nicht mit aber eigentlich ist es so, dass es nicht scheitern kann.
00:44:35: Ist das einer der Sachen, die für dich das ausmacht was dich dann nicht mehr interessiert weil's keinen Risiko gibt?
00:44:44: Ja, also wobei ich das jetzt nicht zum einzigen Grund machen würde.
00:44:47: Aber ein Defizit dieser Form würde ich schon sagen dass sie das eigentlich nicht in sich aufnehmen kann?
00:44:56: Ich meine das wäre ja insgesamt für die Frage des komischen eine ziemlich zentrale Frage weil eben der Versuch komische Effekte zu erzeugen immer ein Risiko ist.
00:45:11: Ich schicke meinen Studierenden sehr oft zu der Frage, wie trägt man gut vor oder so einen Video, das man auf YouTube sehen kann?
00:45:19: Das heißt How to Speak.
00:45:20: Das ist von, glaube ich, so einem Informatiker... ich weiß gar nicht mehr, irgendeiner amerikanischen Großuni, der hält seit Jahrzehnten oder was immer diesen Vortrag machen.
00:45:30: Der ist ganz gut!
00:45:30: Also da geht es eigentlich um Rhetorik.
00:45:32: und der zum Beispiel sagt relativ am Anfang, was darüber wann man Witz einbauen kann oder wenn man komisch sein sollte und wann nicht.
00:45:40: Und er sagt nie am Anfang.
00:45:42: also wenn man noch zu unsicher ist und auch weil das Publikum einen dann noch nicht kennt.
00:45:47: Es ist besser am Ende das zu machen, weil die Leute rausgehen und denken sie hatten die ganze Zeit so viel Spaß irgendwie am Anfang ... bei akademischen Vorträgen, aber auch bei anderen ist das Risiko ein sehr eigenes.
00:46:06: Aber es gibt eben eins.
00:46:08: Wenn man eine Pointe setzt am Anfang und die zündet nicht... ... ist richtig ungünstig.
00:46:14: wenn man zum Beispiel auch im Anfang von einem Podcast direkt vom Marching Bananen auf dem Tisch riecht, kann man sich hier mal auffragen ob du es so geschickt hast oder nicht?
00:46:21: Aber so halt ne!
00:46:22: Und wenn es eben nicht scheitern kann würde ich sagen, kann das eben auch dazu führen dass man der Form seine Sympathie auch entzieht weil man dem sagt so ja du setzt dich nicht aus oder so.
00:46:44: Ja also es ist bestimmt ein Aspekt daran der für mich so ein bisschen uninteressant macht auch weiter zu gucken.
00:46:53: wie gesagt all diese Sachen gucke ich mir fünf bis zehn Minuten sehr gut an, bis ich dann gehe.
00:46:57: Jetzt habe ich verstanden wie sie arbeitet oder wie er arbeitet als Comedian und welcher Sorte die Puranten sind.
00:47:03: Und ich finde das schon sehr schön.
00:47:04: also dass Sie das thematisiert sich ja auch selbst, also dass sie die Grotesk-Purante sucht.
00:47:10: Das finde ich per se theoretisch total schön, dass sie völlig absurde nur ist es halt erst Methode dann auch sehr schnell wieder erkannt und für mich dann auch wieder nicht mehr so wahnsinnig interessant.
00:47:25: Wir haben jetzt relativ viel auch darüber gesprochen, was ihr da irgendwie sagt und wie der komische Effekt erzeugt wird.
00:47:32: Wie sich das verbindet mit ihrer Körperarbeit
00:47:34: usw.,
00:47:34: was mir in deiner Arbeit aufgefallen ist zur Komik ist dass du also einerseits mit literarischen Quellen immer wieder arbeitest oder teilweise auch quasi Poetiken des Komischen, also es ist ein Aufsatz geschrieben über Gedanken von Scherzen.
00:47:54: Von dem heute nicht mehr so bekannten Georg Friedrich Maier aus... Ich
00:47:57: sag dir den habe ich für meine Doktorarbeit
00:48:00: gelesen.
00:48:01: Ja dann...
00:48:02: ...auch kein Spaß!
00:48:03: Soll ich rausgehen?
00:48:09: Also mit dieser Art von komischer Poetik beschäftigst du dich, aber auch immer wieder zum Beispiel viel mit Stumpffilm.
00:48:17: Und das ist ein Medium bei dem diese Frage nach der... Überzeitlichkeit von Komik, die vielleicht besonders dann gut gelingt wenn es eben Körperkomik ist eine besondere Rolle spielt.
00:48:37: Mich würde aber insgesamt bei der Breite von Material, dass du überblickst nochmal interessieren wo du da überhaupt angesetzt hast oder wie dich entschieden hast das Thema komisch historisch irgendwie zuzuschneiden, weil ich glaube weiter zurück als bis zum achtzenden Jahrhundert gehst du ja nicht.
00:49:02: Also vielleicht nochmal anders gefragt beginnt im achtzehnten Jahrhundert die komische Moderne mit der Bittung?
00:49:09: eine kurze Antwort.
00:49:16: Ich hatte meine Dissertation abgeschlossen das war eher ernstes Thema und auch im Gegenwartsthema.
00:49:23: Ich habe dann unterrichtet und es war auch noch ein Covid-Semester.
00:49:27: Und ich hab mit den Studierenden Kleids Battlewipe von Locano gelesen, und habe mich kringelig gelacht über diesen Text.
00:49:36: Das war so der auslösende Moment, wo ich für mich einfach beschlossen habe wenn ich jetzt nochmal x Jahre mich mit etwas beschäftige... Dann kann ich ja auch dabei Spaß haben, vielleicht.
00:49:48: Du möchtest lachen?
00:49:50: Und dann muss ich unbedingt Georg Friedrich Mayer lesen!
00:49:52: Ja okay gut... Das war sozusagen der Initialmoment und da ist insofern eigentlich ganz witzig weil da auch schon das Fall vorkommt.
00:50:05: Und dann habe ich angefangen irgendwie ein bisschen wild rumzusuchen in der Aufklärung angefangen und bin dann unter anderem über Texte wie Georg Friedrich Meier gestoßen.
00:50:20: Und man muss natürlich auch dazusagen, die Germanistik hat ein angespanntes Verhältnis zum komischen und zur Komik würde ich jetzt sehr nicht wertend sagen.
00:50:31: aber es ist ein angespanntes Verhältnis.
00:50:37: Das ist sehr unzufriedenstellend als Forschungslage.
00:50:40: Man macht sozusagen in der Tendenz Gibt es dann sehr viele Texte, die sich eine Poetik anschauen und dann irgendwie sagen ja so.
00:50:50: Und so ist das in der Komödie.
00:50:52: Es ist sehr komödienfokussiert andere Medien kommen selten in den Blick.
00:50:56: Dann gibt's noch einen Zweig, der sich mit Humor im weitesten Sinne beschäftigt.
00:51:04: Es is relativ endkörperlich.
00:51:07: also die Themen über die gesprochen wird in der Tendenz Ja, mich hat eben dieses Fallen interessiert.
00:51:17: Weil das eben zugleich auch immer also in fast jeder Komiktheorie wird dieses Beispiel aufgegriffen werden, wird gesagt werden Man lacht wenn jemand fällt Das taucht überall auf aber es wird überhaupt nicht ausbuchstäbiert oder theoretisiert.
00:51:34: warum eigentlich?
00:51:34: Warum ist das so eine Art Urst-Szene des komischen dass überall auftaucht aber nicht wirklich behandelt wird?
00:51:42: genau und da habe ich Ich dann angefangen zu graben und habe schnell festgestellt, ich muss mich dafür viel mit nicht nur Dramen sondern mit dem Theater beschäftigen.
00:51:58: Und auch mit dem Film weil das sozusagen eine visuelle Ebene nochmal hat.
00:52:03: dieser Zeitraum den ich bearbeite ist Es fängt ungefähr siebzehn Zehen an.
00:52:13: Das ist der Zeitpunkt, an dem die sogenannten deutschen Kymideanten anfangen in Wien am Kernnatortheater aufzutreten und zentral dafür ist die Figur des Hanswursts.
00:52:30: Also eine deutsche, deutschsprachige Variante von so einer sehr körperbasierten Komik wo die Forschungslage auch ganz okay ist.
00:52:44: Also man findet Texte davon, man kann aus den überlieferten, viele sind natürlich verschäumt aber aus dem überlieferten Dramen oder Szenarien eher einigermaßen ableiten was so auf so einer Bühne geschehen sein könnte, was sozusagen immer ein Problem ist für historische Theaterforschung.
00:53:10: Genau da habe ich angefangen und verfolge das sozusagen bis zum Slapstick-Film wo wir eine visuelle Ebene wieder haben und sagen was dazwischen passiert ist.
00:53:23: in der Germanistik hält sich die mehr, dass der Hans Wurst Mitte des achtzehnten Jahrhunderts von den Bühnen vertrieben worden sei.
00:53:32: Die Gottsche,
00:53:32: denen hat ihn von der Bühne vertrieben?
00:53:34: Genau, genau!
00:53:36: Was alles so nicht wirklich stimmt ist es nur sozusagen da wo das hin wandert diese Körperkomik.
00:53:42: Das sind halt nicht unbedingt die Dinge mit denen sich die Germanistik beschäftigt hat und das ist ein bisschen ein historisches Projekt.
00:53:51: also zu gucken wo findet man das?
00:53:55: komische Fallen anderen Orten.
00:53:58: Im Laufe des achtzenden Jahrhunderts kommt zum Beispiel der Zirkus, das ist ein Forum in dem komisches Fallen auch stattfindet.
00:54:07: beispielsweise und zugleich gibt es eine Sache die mich interessiert und das ist eher so eine medienhistorische Frage.
00:54:15: tatsächlich wenn man sich auch kanonische Lustspiele anschaut dann gibt es durchaus komisches Fallen.
00:54:22: Also ganz viele Lustspiele beginnen mit einem Kutschenunfall, der natürlich nicht auf die Bühne gebracht werden kann und es kann nicht ausbuchstabiert werden.
00:54:31: Und Prosa hat ein ähnliches Problem.
00:54:33: Es kann sozusagen nicht aus Buch stabilieren wie dieser Fall geschieht.
00:54:38: Das verändert sich im Laufe der Zeit und das hat meines Erachtens damit zu tun dass man auch gar nicht genau weiß wie diese Bewegung abläuft.
00:54:49: Also es gibt natürlich Schauspielerinnen, die das sehr wohl wissen.
00:54:52: Die schreiben das aber in der Regel nicht auf.
00:54:54: Das ist ein tradiertes Wissen, ein Wissen was man über den Körper als Medium weitergibt im Training oder so und das hat Bestand.
00:55:04: Aber als Person, die einfach nur zugeschaut, kannst du nicht wirklich sagen wie funktionierten Fallen im Laufe des.
00:55:11: In den neunzehnten Jahrhunderts beginnt man sich zu überlegen, wie funktioniert Gehen überhaupt?
00:55:17: Also die Mechanik des Gehens.
00:55:19: Und mit dem Einsatz oder sozusagen neuen Medientechniken und dann spätestens mit so was wie Chronofotografie Vorläufer vom Film können wir durchaus sehen, wie ein Körper fällt und den Höhepunkt dieser Beobachtung und das Spiels mit dem Fallen.
00:55:40: Das ist dann der frühe Slapstickfilm meines Erachtens.
00:55:45: Aber warum fängt es im achtzehnten Jahrhundert an oder ändert sich da was?
00:55:49: Oder ist das quasi jetzt auf der Quellenlage, weil da sich mein wegen Kutschunfälle irgendwie häufen oder so ... Ist das die Entscheidung oder gibt es noch andere Ereignisse oder Indexe dafür, dass man Indizes dafür, damit man anfängt?
00:56:07: Also was es gibt, ist man hat im achtzenten Jahrhunderte eine Institutionalisierung von Theatern die in der Art und Weise vorher nicht da war.
00:56:13: Deswegen ist das Kärntner-Tortheater eigentlich ein relativ wichtiger Datenpunkt.
00:56:18: Figuren wie Hans Wurst oder auch vorher die Comedia dell'arte aus Italien kommend, das sind ganz häufig Wandertruppen.
00:56:27: Das heißt sie gehen von einem Ort zum nächsten.
00:56:29: deswegen ist es auch viel körperkommig und wenig sprachkomik weil sich mit den Leuten gar nicht unbedingt verständigen können wenn man nicht die gleiche Sprache spricht.
00:56:37: genau.
00:56:38: und Kernanthortheater und dann auch sozusagen der riesigen Popularitäten im Boom dieser Hanswurstfigur, die unter anderem von Josef Antonisztranitzki vorangetrieben wird.
00:56:55: Hat man eine Art institutionalisierte Körper?
00:56:57: komik, wenn man so möchte.
00:57:01: Also es heißt dann Alt-Wiener Volkstheat, aber man darf sich davon nicht blenden lassen dass da irgendwie die Handwerker zusammen saßen sondern der Adel war anwesend, der fand das super.
00:57:13: also das ist schon auch eine... Das ist durchaus protägiert von den Regierenden für lange Zeit, das verändert sich mit der Zeit aber genau.
00:57:26: Aber es gibt ja schon So ein Georg Friedrich Meier, ich habe nicht die Gedanken von Scherzen in meiner Arbeit gelesen sollen weil es bei mir um den Witz geht.
00:57:34: Das geht da um seine sehr umfangreiche Arbeit über den Wiz und das sind ja sozusagen Bewegungen ins Aufklärerische und eigentlich geht es der Aufklärung.
00:57:45: und nachdem ich dein Text über Gedanken von scherzen gelesen hab ist mir das auch klar dass es dieselbe Bewegung geht es ja um Einhigung.
00:57:52: Es geht um Einhigung, beim Witz ist es immer das Utrierten oder das Exzesses.
00:57:59: Witz sind schön und gut, Scherze sind schön aber man darf die Grenzen nicht überschreiten.
00:58:02: Es wird eigentlich die ganze Zeit festgelegt wo ist die Grenze?
00:58:05: Eigentlich ist der Hanswurst eben außerhalb der Grenze absolut skatologisch körperkommig und so weiter ist.
00:58:13: Aber das ist eben genau der Punkt, also in der offiziellen Geschichte die mit der Aufklärung beginnt darf er eigentlich keine große Rolle mehr spielen.
00:58:19: oder natürlich der Hans Wurst oder Körperkomik oder all dass.
00:58:23: aber es gibt natürlich eine ganz andere Geschichte die dann von der Germanistik eben nicht mehr so mitgeschrieben wird wo das natürlich alles weiter lebt und im Slapstick spätestens taucht es dann halt auch sehr prominent wieder
00:58:34: auf Lass uns über den Hans wo es gerne noch ein bisschen reden.
00:58:40: Also er hat ja dann in dieser Form, die du gerade auskizziert hast auch eine Verwandtschaft zu dem was wir bei Novak in gewisser Weise immer noch sehen kann und ist ja letztlich kanonisierte Form.
00:59:01: Es gibt ja sogar ein eigenes Genre mit dem wunderschönen Namen Hans Wurstjaden, wo er eben immer wieder auftaucht.
00:59:12: Wie ist die Genese dieser Figur?
00:59:15: Wo kommt sie genau her und wo sehen wir sie auch heute noch?
00:59:21: Um auf Novak noch mal zurückzukommen, ich würde Novak nicht selbst als ein Hanswurst interpretieren.
00:59:27: Natürlich ist es keine sprechen der Hanswürsten so zu der Hansin Wurst, keine Ahnung sondern eigentlich geht's eher darum, Hanswörste zu markieren in dieser Show.
00:59:39: aber wo kommt die Figur her?
00:59:41: oder wie kann man sie sich besser vorstellen?
00:59:44: Also im achtzehnten also frühes achtzehn Prühe des achzehntes Jahrhunderts, das ist eine Figur die eigentlich einen Amalgam von komischen Figuren sind.
00:59:58: Die aus dem englischsprachigen Raum nach Deutschland.
01:00:01: Also Wanderdruppen aus dem Englisch sprachigenraum, die in Deutschland unterwegs sind oder im deutschsprachigem Raum unterwegs sind und wie ich schon gesagt habe, also die führen irgendwie Shakespeare-Stücke Auf, aber mit irgendwie lustigen Einlagen auf Jahr merkten und wandern durch die Gegend.
01:00:19: Und daraus entwickelt sich eben eine deutsche Form im Hans Wurst, die dann in Wien sehr populär wird.
01:00:32: Aber auch im restlichen deutschsprachigen Raum haben wir ähnliche Figuren, die auftreten auf verschiedenen Bühnen und so.
01:00:44: Also man könnte jetzt nicht sagen, an dem und dem Tag betrat Hans Wurst die Bühne.
01:00:50: Was im Kernnatortheater unter anderem passiert, nicht nur dort aber da sehr stark ist.
01:00:55: Man
01:00:55: hat
01:00:57: letzten Endes... also es nennt sich Haupt- und Staatsaktionen, aber zugleich sind das auch irgendwie ganz eigenartige.
01:01:05: In der Form sind sie zugleich auch Parodien ihrer selbst durch Hans Wurst.
01:01:11: irgendwelche Adligen, die irgendwelchen Liebesprobleme miteinander haben und irgendwelcher Leute also sagen eigentlich eine typische was wir heute als der Komödienhandlung bezeichnen würden.
01:01:21: Eine verhinderte Ehe-Schließung und wie wird das hinter uns aus dem Weg geräumt?
01:01:24: Und irgendwann kommt ein Anagnoress, oh er ist mein Sohn, ah du kannst meine Tochter nicht heiraten.
01:01:30: Super kommen wir alle zusammen!
01:01:34: Hans Wurst
01:01:35: Eine
01:01:36: Dienerfigur, es gibt noch ein paar andere die auftauchen eine Dienerviguren von diesen adeligen Figuren.
01:01:44: Die diese Handlung ständig eigentlich unterbricht mit skatologischen, mit Sex, mit Prügelszenen prügelt sich auch mit Frauen, Frauenprügeln auch.
01:01:55: ihnen also zu sagen das ist nicht so dass sie nur von ihm geprügelt werden und unter... Also das ist auf der einen Seite so ne Art Subtext von dieser Haupthandlung, die aber so viel Gewicht bekommt dass sie die Haupthandlungen Anführung eigentlich zum Nebenwerk macht.
01:02:17: Die Leute gehen nicht ins Kärntner Torteater um ein Effigeniestück zu sehen sondern die Leute gehen ins Kärtner Theater weil Hans Wurst auftritt Und sozusagen diese...
01:02:30: In Effigenie.
01:02:31: Genau, also in einem Effigieniestück genau.
01:02:35: Dafür sind sie da.
01:02:37: Hans Worst ist The Money Maker.
01:02:40: Also das ist ganz klar.
01:02:41: Das wird auch in den Texten nicht in ... Ich habe ein Stück mitgebracht, in dem es nicht referenziert, aber es gibt andere Stücke wo das referiziert wird.
01:02:53: Wenn Sie eine Auffalge bekommen, das passiert relativ häufig Dann wird darüber gesprochen, wie viel Geld das jetzt einbringt.
01:03:00: Also die DarstellerInnen wurden auch tatsächlich nach Ohrfeige, Nachsprung im Wasser, nach allen möglichen körperlichen riskanten Einsätzen des Körpers bezahlt.
01:03:15: Ich glaube also dass taucht ganz anders dann wieder auf... ich würde sagen Kleist ist sowieso super weil bei dem gibt es Spuren davon.
01:03:26: Da ist natürlich mit dem Fall auf allen Ebenen ständig gespielt.
01:03:29: Und bei Kleist ist eben auch das wirklich böse und körperliche schon immer noch mit drin, aber sonst war Goethe jetzt eher nicht.
01:03:39: Das taucht dann an dem Punkt auf wo plötzlich diese Unterscheidung Populärkultur Hochkultur als solche thematisch wird.
01:03:48: und in der Populärkultur stellt man fest, genau.
01:03:50: Aber das was dann Populäkkultur heißt ist voll von dem Zeug.
01:03:54: Das muss irgendwie auch die Hochkultur dann langsam mal wieder zur Kenntnis nehmen Und dann beginnt sich das tatsächlich wieder zu vermischen.
01:04:00: und deswegen finde ich es natürlich genau der Slapstick Der frühe Film auch vom Jahrmarkt und Circus kommt und dort seinen Ort hat und sich dann irgendwie Den Leuten fehlen.
01:04:08: ja irgendwie ganz unheimlich dass das plötzlich jetzt ernst genommen werden soll wo dann eben genauso war's Niederste Formen von Körperkomik reduzieren.
01:04:18: Ja, zugleich also eine Sache die man vielleicht noch sagen sollte zum Slapstick als Genre anfangen um die Jahrhundertwende.
01:04:30: das körperliche darin ist.
01:04:33: Ich bin vorsichtig mit dem Wort überzeitlich, aber sozusagen das funktioniert auch heute.
01:04:37: Aber Slapstick als Genre hat eine unheimliche Einschrift ihrer eigenen Gegenwart.
01:04:43: also die sind ja ganz häufig einfach Interiors oder Außenszenen, die einfach...die sind Gegenwart!
01:04:48: Das ist die Moderne der Zeit.
01:04:50: man isst dann im Vergnügungspark und dass wird dargestellt.
01:04:53: Also das sind wirklich sehr an Ihrer Gegenwart entlang und an den Praktiken der Gegenwart.
01:04:59: Und also sagen damit sehr verknüpft, das heißt nicht dass wir das heute nicht trotzdem rezipieren können aber die sind wirklich sehr sehr nah an dieser Zeit auch dran.
01:05:09: Gleichzeitig ist es mir so, dass was du gerade beschrieben hast Eckhardt, dass die Hochkultur dann irgendwann nicht mehr umhinden kann das komische dieser Art auch wahrzunehmen oder irgendwie aufzuneben in Spurenelementen zumindest Der Status des Komischen als das Niedrige sozusagen, als der Low Style sozusagen eigentlich doch wirklich aufgehoben noch immer nicht ist.
01:05:47: Das Komische ist als Form sowohl in der Literatur Film oder im Theater ja immer noch nicht das, was sozusagen den Laureatus Platz einnimmt.
01:06:02: Sondern eben den Platz des besonders geliebten vielleicht.
01:06:08: Ein sehr aktuelles Beispiel.
01:06:10: Die Woche jetzt wo wir aufnehmen.
01:06:12: es war gerade Bachmannpreis und es war einen Text dabei von Giovanna Reisinger.
01:06:20: Der war durchaus komisch.
01:06:22: Ich fand den auch ganz gut, ich bin nicht immer Fan von den Sachen die sie macht.
01:06:26: Aber was mich eigentlich viel interessanter finde ist jedes Mal wenn es einen Text gibt beim Bachmannpreis der komisch ist dann muss die Jury das immer noch mal kommentieren.
01:06:36: Das ist ja eigentlich schon gut dass es auch mal nen komischen Text beim Bachmanpreis ist.
01:06:42: Es gibt fast jedes Jahr einen muss man dazu sagen aber das muss immer nochmal kommentiert werden.
01:06:50: hochkulturellen Forum mit vielen Fragezeichen.
01:06:54: Auch einen komischen Text, einen hungerösen Text oder wie auch immer zu haben?
01:06:59: Naja, weil komische Texte irritieren.
01:07:01: natürlich ernstes Reden und der Bachmannpreis ist ein Wettbewerb des ständigen Ernstengeredes das jüri-Geredes Und das ist dann aber das ist natürlich die Stärke der Komik letztlich dass es schwer ist da so bruchlos zu inkooperieren.
01:07:16: also ich meine Wir sprechen ja auch ernsthaft über Comic, aber das ist immer diese Irritation.
01:07:21: Sollten wir jetzt eigentlich auch komisch über Comic sprechen?
01:07:24: Will die Comic überhaupt mobilisiert werden?
01:07:26: Will sie so ernst genommen werden wie der Ernst?
01:07:29: Das sind alle Fragen, die die Comic als ständige Unruhekraft stellt und gar nicht beantwortbar und befriedbar stellt.
01:07:36: Wäre ja schlimm wenn es jetzt irgendwie so befrieden war.
01:07:38: Ja absolut!
01:07:39: Das wäre ja das Ende der Comic.
01:07:42: Ja, das ist ein guter Anschluss an eine der Fragen, dich auch noch hatte, nämlich das Reden über Komik und quasi die Mimesis an die Komik in dem Reden.
01:07:58: Über Komik.
01:07:58: was du in deiner Forschung sehr häufig machen musst und wir haben es jetzt hier auch schon wieder erlebt ist eine Rekonstruktion des komischen im Medium der Schrift.
01:08:10: also du musst nach erzählen was in irgendeinem Sturmfilm passiert oder Du musst versuchen zu beschreiben, wie Körperkomik genau funktioniert.
01:08:21: Du hast eben auch zum Beispiel darauf hingewiesen, dass gerade bei der Technik des Fallens eigentlich gar kein kodifiziertes Wissen darüber geht, wie man das macht.
01:08:32: Das heißt, man muss es irgendwie beschreiben und man muss versuchen... das zu erschließen aus den Quellen, die man hat.
01:08:40: Die teilweise auch mal wegen Zeichnungen sind oder Fotos dann später oder wie auch immer.
01:08:46: und ist es nicht eine bestimmte Schwierigkeit also diese Konstruktion dieses komischen Materials?
01:08:53: Es ist nicht so dass man dadurch dem Phänomen seine Eigenheit eigentlich entzieht weil du natürlich auch nicht versuchst jetzt dabei lustig zu sein.
01:09:04: Das soll kein komischer Text sein, es ist ja auch Forschung.
01:09:09: Die darf auch lustig sein, weil ich übrigens nur noch mal durchsage an alle bitte... Es ist wirklich erlaubt zu unterhalten.
01:09:18: Egal anderes Thema aber wie gehst du mit diesen Problemen um?
01:09:24: Dass man eigentlich abhörte wo man spricht auf eine gewisse Weise
01:09:34: Also ich würde eine Sache, eine Erfahrung die glaube ich jede Person, die schon mal zum komischen gearbeitet hat teilt.
01:09:42: Ich weiß das zumindest von einigen Kolleginnen ist auch einfach ... Komik hat einen Aufbau und der dauert.
01:09:51: Und in einem Vortrag oder im Text hat man diesen Raum ganz häufig nicht einmal.
01:09:57: Weswegen man auf Nacherzählungen ausweichen muss aber dadurch ist sozusagen der Moment dieser Kipppunkt, der Lachen auslösen kann und nicht muss.
01:10:10: Den kann man gar nicht in der Art und Weise einpflegen in die Forschung wie er im eigentlichen Artefakt ist.
01:10:17: Ich würde aber auch sagen, ist das jetzt beim Tragischen wirklich anders?
01:10:21: Dass man sozusagen die ganze ethische Dimension dessen, die davon ausgeht... dass man die irgendwie in zwei Sätzen abgehandelt reinbauen kann, weiß ich jetzt auch nicht.
01:10:33: Aber es ist auffällig beim Komischen, dass man den ganzen Aufbau einfach sehr schnell kaputt macht.
01:10:40: dadurch.
01:10:48: Im Rahmen von diesen Nacherzählungen und Darlegungen dessen was ein komisches Artefakt gerade im weitesten Sinne trägt, man trage ich natürlich auch meine Erfahrung mit diesem Stück ein.
01:11:05: Das geht gar nicht anders und ich glaube auch das hat eine gewisse ... weiß ich nicht... ja vielleicht Ehrlichkeit oder einfach eine Art.
01:11:17: Es kommt dem zumindest nahe dass es nicht für alle gleich sein wird.
01:11:22: Ein komisches Artefakt Dinge gibt auf die ich eher anspreche als andere Personen, einfach durch Sozialisierung.
01:11:31: Durch Familienhumor.
01:11:32: wie auch immer im Netzwerk versuchen wir gerade ein bisschen den Begriff vielleicht Comic Sensibilities zu umreißen was womit wir so eine Art affektive Besetzung dieser Wissensinhalte meinen über die wir vorhin gesprochen und Das trage ich natürlich ein in meine Forschung.
01:11:56: Aber das ist gar nicht so anders wie bei anderen Forschungsgegenständen auch, dass man um es anzuschauen und zu theoretisieren muss man's erst mal stillstellen.
01:12:08: Eigentlich ist es eine Wiederholung dessen was Kronefotografie macht beim komischen Fallen.
01:12:12: Man muss es erst einmal stillstellen ums anschauen zu können.
01:12:17: Und durch halt der Effekt verschwindet?
01:12:20: Der Effekt verschwindet aber genau de facto keinen komischen Text.
01:12:23: Ich fände es schön, aber das ist auch eine hohe Kunst
01:12:26: und ja auch absolut nicht nötig.
01:12:28: Das kann sich helfen.
01:12:31: Ja einerseits schon.
01:12:35: andererseits ist da die Frage nach dem Publikum oder denjenigen, die es rezipieren sollen würde ich sagen noch mal ne andere.
01:12:45: also wir hatten eben davon gesprochen oder ihr hattet davon gesprochen dass das Komische eben grundsätzlich immer nicht für jede und jeden ist.
01:12:56: Also es produziert notwendigerweise Ausschlüsse, weil aufgrund vielleicht einer Comic Sensibilities oder der eigenen Comic Literacy nicht alle komischen Angebote lustig... wahrnehmen können, genießen können.
01:13:18: Und der akademische Text oder eine Forschung über Komik muss das aber zumindest anders anzielen.
01:13:29: zumindest das für alle Nachvollziehbar zu machen.
01:13:32: Also nicht, dass alle das teilen sondern es muss irgendwie für alle nachvollziehbare sein.
01:13:36: die müssen das irgendwie kritisieren können.
01:13:37: sie müssen das tatsächlich vollständig erreichen können
01:13:41: würde
01:13:41: ich sagen.
01:13:42: und das ist eben der Unterschied zwischen einem Netflix Comedy Special und einer Habitationsspritzung.
01:13:51: Aber insofern hat die Nachherzählung dann schon den Zweck, dass offengelegt wird welche Elemente spielen.
01:13:57: Dafür, dass ich das jetzt als komisch wahrnehme und darüber spreche, dass theoretisiere welche Elementen spielen dafür eine Rolle?
01:14:07: Für dich sind die Elemente vielleicht andere aber die trage ich jetzt zumindest zusammen.
01:14:12: Aber um nochmal ganz auf den Anfang zurückzukommen wie grotesk ist unsere Gegenwart und ohne dieses Fass jetzt ganz aufmachen zu wollen.
01:14:23: Aber es ist natürlich auch legitim, sich zu weigern über bestimmte Dinge zu lachen.
01:14:28: Nicht nur aus Prüderie sondern ich will über Donald Trump nicht
01:14:31: lachen.".
01:14:32: Ja ja.
01:14:33: Das würde ich mir vorbehalten.
01:14:36: Und das sagt schon mal sogar Komik weil Komik eben dieses Moment... Also sie hat das Moment der Irritationen und Untergrabung
01:14:44: usw.,
01:14:45: aber es hat einfach unvermeidlich auch das Moment der Entschärfung und der Entladungen.
01:14:50: Und dazu ist Donald Trump einfach verdammt viel zu schlimm, als dass ich da irgendwie noch lachen könnte oder wollte.
01:14:59: Wäre das ein Teil, der zum Beispiel auch unter den von euch herausgearbeiteten Begriff oder vielleicht das Konzept der Comic Sensibilities fallen würde?
01:15:10: Denn ich hatte das glaube ich, als ich davon laß ein bisschen anders Verstanden, aber würde das was er gerade beschrieb dazu gehören oder wie würdest du es einschätzen?
01:15:23: Ja ich würde schon sagen dass das damit dazugehört.
01:15:27: Das ist sozusagen dieser Übergangsbereich von affektive Besetzungen von Wissensinhalten sind natürlich kulturell geprägt ja und das ist jetzt nichts was man sich in seinem Zimmerchen per se überlegt, aber welche bei einer bestimmten Person irgendwie zusammenwirken und teilen eine Disposition für bestimmte komische Artefakte ausmachen.
01:15:56: Das ist in irgendeiner Form schon individuell.
01:16:00: Also es gibt beide Momente würde ich sagen.
01:16:03: Dazu zurückgefragt mit Blick auf unser Gespräch Darin, bis jetzt verhandelt wurde.
01:16:13: Es gibt ja Auffassung zu Komik die davon ausgehen dass sie insbesondere dann besonders wirkungsvoll oder damit eben dann vielleicht auch entladend und möglicherweise auch kritisch ist wenn Sie sich eigentlich nicht um bestimmte Sensibilitäten kümmert sondern bereit ist diese immer wieder zu verletzen und meinetwegen in alle Richtungen gleich auszuteilen, sowas ist also quasi nicht nur nach oben zu treten sondern auch nach unten einfach in aller Richtung sozusagen.
01:16:49: Das scheint ja eben etwas zu sein was sich glücklicherweise vielleicht wenn man ein Konzept wie Comic Sensibilities ansetzt das sich gerade ändert.
01:16:59: würdest du dem zustimmen?
01:17:01: Und wenn ja woran liegt
01:17:03: es?
01:17:05: Noch mal nachgefragt.
01:17:07: Also
01:17:08: ist es so, dass gerade diese Auffassung von Komik das die in alle Richtungen austeilt und deswegen besonders dann wirkungsvolles Wenn sie das tut wenn Sie sich nicht um Sensibilitäten kümmert?
01:17:20: Ist das eine Auffassung, die gerade verschwindet, die grade destabilisiert wird?
01:17:25: und falls ja warum?
01:17:30: Also ich würde sagen Also du spielst auch so Sachen an, dass bestimmte Personen fairerweise auch einfach sagen.
01:17:44: So Louis C.K.
01:17:46: habe ich eigentlich keinen Bock mehr drauf beispielsweise
01:17:48: oder... Ja zum Beispiel!
01:17:49: Oder war eben auch sowas wie zu sagen Ich möchte über Donald Trump nicht lachen?
01:17:56: Ich glaube das gab es letzten Endes schon immer einfach.
01:18:00: aber
01:18:01: im
01:18:02: Sinne von Stilgemeinschaften, die sagen, dass es komisch für mich funktioniert und das ist komisch überhaupt nicht funktioniert.
01:18:09: Es gab auch immer schon völlig humorlose Menschen?
01:18:12: Richtig!
01:18:12: Die gibt's auch ja.
01:18:14: Also das ist glaube ich kein per se neues Phänomen was sich einfach ändert.
01:18:19: Wenn wir jetzt so in diese ganzen Kanzelsachen denken... dass sie halt Möglichkeiten haben, die vorher nicht in der Art und Weise gegeben waren sich darüber zu äußern.
01:18:31: Dass sie das jetzt nicht okay finden wenn weiß ich nicht über Transpersonen hergezogen wird, wenn überdies das?
01:18:38: Und das ist glaube ich etwas was sozusagen die Aufregung um darum befeuert aber ich glaube das hat es schon immer gegeben.
01:18:47: Die sind also Personen die keine Lust auf irgendeine Form von Komik haben sind halt nicht ins das Theaterstück gegangen oder nicht in den Film gegangen.
01:18:58: Ich glaube, dass es einfach nur eigentlich eine fragende medialen Aufmerksamkeit.
01:19:03: Aber man weiß es ja vorher gar nicht was da das konkrete Angebot sein wird.
01:19:07: Also man weiß vielleicht gerade eben was das Genre ist also dass es komisch ist aber nicht ob's für einen funktionieren wird.
01:19:16: Das ist eigentlich auch grade das Interessante daran.
01:19:20: Also ich meine gut wenn man jetzt irgendwie sieht okay der neue bully herbig filmen oder so dann hat man vielleicht eine idee davon was das sein könnte und dass das unter Umständen, das ist etwas für einen eben das lustigste auf der welt ist.
01:19:34: Oder man ihm sagt das ist nicht mein mein fall.
01:19:39: Das ja aber eigentlich weiß man es vorher nicht.
01:19:44: Also, ist das nicht wieder das Risiko sozusagen?
01:19:46: Das
01:19:47: schöne Risiko.
01:19:47: Das Risiko so zeigt dann auf der Seite der Zuschauerinnen, dass es sein kann, dass das Ding für mich scheitert und ich zehn Euro, fünfzehn Euro für den Film ausgegeben habe die jetzt... Die waren so zang für den... Wie gesagt, ich bin der Meinung das gab es schon immer.
01:20:07: Man hat gewisse Prägungen und da gehören Genres zum Beispiel dazu.
01:20:11: also wenn ich irgendwie Happy mit Romcom spinn' und es kommt ein neuer Romcom dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch dass der für mich auch funktionieren wird.
01:20:22: Also ich weiß nicht... Ich finde das viel komplizierter wenn es... Also ich weiss gerade nicht was das Problem ist.
01:20:37: sozusagen mein Problem
01:20:40: Was ich liebe, sind Formate in denen alles ist.
01:20:45: Ich spreche z.B.
01:20:46: von classicen Bollywood-Filmen die als Grundformatierung schon durchaus ernsthaft Geschichten verhandeln.
01:20:58: Dann gibt es musikalische Einlagen und dann gibt es aber komische Figuren wie Johnny Walker.
01:21:03: Er ist der ganz berühmte Komiker des indischen populären Kinos.
01:21:10: sagen einfach, man lacht.
01:21:12: Und dann ist es wieder vorbei mit dem Lachen und dann weint man und dann ist das wieder vorbeimit im Beinen und dann tanzt man und da ist es vorbei mit den Tanzen.
01:21:19: also das finde ich interessant dass eigentlich unsere Kultur das kaum ausgebildet hat wo man auch sieht dass das kulturelle Formen sehr unterschiedliche Formatierungen annehmen können.
01:21:31: Ich meine wir hatten solche Form natürlich schon das Varieteteater aber Sieht man halt heutzutage nicht mehr so häufig.
01:21:42: Aber das ist ja auch auf der einen Seite ein Ort, in dem viele Selfstick-Performerinnen im Wurdwil und so weiter was auch unterschiedliche Sketche und Gesang und was weiß ich?
01:21:57: Wo sie sozusagen ihre Bühnen-Erfahrung gesammelt haben bevor der Film da war und sie in den Film gegangen sind aber dass sich noch nachher einige Zeit hielt als Varietetheater Das gibt es nicht mehr so häufig.
01:22:10: Es gibt manchmal komische Dinnershows, wo Leute vom Trapez schwingen oder solche Dinge.
01:22:16: Also ein paar Sachen gibt's schon noch aber nicht in der Breitenwirkung.
01:22:20: Da fehlt
01:22:20: ja schon das Tragische und das Moment des Abenden zum Beispiel
01:22:25: auch?
01:22:30: Ja.
01:22:34: Also die Bandbreite an Varianten und Modi, die ausgespielt werden wird teilweise in ... würde ich sagen im Theater dann am ISU versucht zu adressieren.
01:22:45: Wir hatten vor einigen Folgenjahren eine aufgezeichnet zum Berliner Theater treffen, da hatten wir länger über Florentina Holzinger gesprochen und ich würde sagen dass da sowas am ISTN auch noch versucht wird also Körper Komik, Körperarbeit, Tragik also quasi alle Register sozusagen zu ziehen.
01:23:09: Da kommt das eher vor als in Form des Varietés die jetzt soweit ich das überblicken kann im Moment eher das dann was man Kleinkunst oder so eben nennen würde.
01:23:25: ja Also ans Theater würde ich tatsächlich auch denken, es wäre schön, wenn's mehr davon gäbe.
01:23:30: Aber klar natürlich letztlich auch so was wie Kastorf oder so wo dann zum Beispiel etwas wie furchtbare Ötenis eine Rolle spielen kann und auch in gewisser Weise das scheitern.
01:23:45: Und da sind wir jetzt wirklich wieder ganz am Anfang dass ich eben finde dieses Stand-up Comedy Format ein sehr eintöniges Format ist.
01:23:55: Und das wird eigentlich umso deutlicher, je klüger das inhaltlich ist, weil es sich eben so wenig Spielraum gibt, dass in den Effekten auch auszuspielen.
01:24:06: Es läuft immer letztendlich auf diesen einen Effekt Komik hinaus.
01:24:11: Vielleicht gibt's schon noch, wie viel noch ein anderes Varietee ein... Das wäre sozusagen der Social Media Feed wo ganz verschiedene Dinge Statt haben gleichzeitig von Nachrichten dies und komisches Meme hier.
01:24:31: Das wäre vielleicht unsere Form des Varietés.
01:24:36: Und das Leben selbst, natürlich!
01:24:38: Ja, finde ich an sich sehr überzeugend und macht den Erfolg dessen aus, weil der Fid ja immer selbst zusammengestellt ist und korrektiert ist auf die eigenen ... Humor, Bedürfnisse und den eigenen Geschmack eben eingestellt werden kann.
01:24:56: Man kann sich einen basteln in dem die ganze Zeit das ist Fein-Memes kommen
01:25:00: usw.,
01:25:00: oder ein in dem nur ernst gesprochen wird oder indem es eben von allem etwas gibt.
01:25:09: ich würde mal vermuten die meisten Veeds sind so.
01:25:18: Vielleicht ist das eigentlich auch schon ein ganz guter Moment, um zu einem Ende zu kommen.
01:25:24: Also es ist noch etwas offen.
01:25:25: ansonsten...
01:25:27: Wir brauchen halt einen Schlusspunkt.
01:25:30: Hannah hat die Banane zur Hälfte gegessen.
01:25:33: wenn sie jetzt auf Boden landet!
01:25:38: Ich werde Sie gleich auslegen und dann kann man das machen.
01:25:43: was glaube ich an einem Text von Neuer Airfront, auch eine große Comic-Autorin würde ich sagen.
01:25:50: Nicht nur von romantischen Comedians sondern auch komischem Texten.
01:25:53: wie sagt das... Entscheidende für die komische souveräne Geste ist eben dann zu sagen, ich bin auf der Bananenschale ausgerutscht und es nicht anderen zu überlassen.
01:26:03: Zu sagen siehst du auf der bananenschalen aufgerutschen?
01:26:05: Ich würde sagen eigentlich ist das vielleicht auch dann eben das einzige Prinzip auf dem Novak sozusagen formal beruht Und die Eintönigkeit wird dir zustimmen.
01:26:14: in deiner Beschreibung dessen besteht natürlich Darin, dass diese Souveränitätsgäste immer wieder eingetragen wird zu sagen.
01:26:22: Nein!
01:26:23: Ich bin auf der Bananschale ausgerutscht... Ihr werdet nicht darüber reden wie ich auf der bananschala ausgeruscht bin.
01:26:30: Ich gebe die Toothie Blowjobs.
01:26:37: Ich habe Jacqueline Nowak paraphrasiert an dieser Stelle um das ... klar zu machen.
01:26:44: Jetzt, wo ich mir extra für Jacqueline Nowak wieder ein Netflix-Abo besorgt habe, könnt ich doch die letzten sechzig Minuten auch noch
01:26:49: sehen?
01:26:50: Ich würde es dir empfehlen und allen anderen können ihre Privat-Podcast dazu aufzeichnen.
01:26:59: aber erst mal für heute danke ich Roxanne Phillips ganz herzlich
01:27:04: für
01:27:04: ein tolles Gespräch über Komik in der Gegenwart.
01:27:09: vielen Dank an das Publikum.
01:27:14: In der nächsten Folge der Kromen Straße sprechen Hannah Engelmeier und Eckehard Knörer mit Paula Lopez über ihr erstes Leben als Mathematikerin, ihre KI-Kolumne im Merkur und ihren Roman die Summe unserer Teile.
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