Theatertreffen 2026: Anspruch und Wirklichkeit

Shownotes

  • Michel Houellebecq, Serotonin. DuMont, Köln 2020
  • Klaus Mann, Mephisto. Rowohlt, Hamburg 2019
  • Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard. Piper Verlag, München 2019
  • Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick. S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 1987
  • Hans-Thies Lehmann, Postdramatisches Theater. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2023
  • Ekkehardt Knörer, Theaterkolumne. Merkur Heft 917, Oktober 2025. Merkur Heft 903, August 2014. Merkur Hefte 867, August 2021

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00:00:01: Krummisch Straße ist der gemeinsame Podcast, der Zeitschrift Merkur und des kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.

00:00:09: Einmal im Monat sprechen wir mit Gästen aus Wissenschaften und Kultur – manchmal interessiert uns ein Thema, manchmal die Personen und ihr Schaffen.

00:00:16: Entsprechend unterschiedlich ist das Format der Gespräche!

00:00:19: Die Krumme Straße können Sie auch abonnieren auf Spotify, Apple-Podcasts, YouTube und überall wo es Podcasts gibt Und natürlich direkt auf den Seiten des Merkur und des KWI.

00:00:36: Herzlich willkommen zur Kromen Straße!

00:00:38: Diesmal eine Folge, in der wir zu dritt sind und bleiben also keine Gäste eingeladen haben.

00:00:46: Es sprechen also Eckehard Knörer, Christian Demandt und Hannah Engelmeier diesmal aus aktuellem Anlass nämlich dem Theater treffen, im Jahr für das Theater.

00:00:58: Wir sprechen Beide gerne mit Ecker hat, weil er die Theaterkolumne des Merkur seit zwei Jahren führt.

00:01:07: Aber auch deswegen, weil wir über diese letztlich dann doch wenigen Kolumnen viel zu wenig von Ecker hatte erfahren haben darüber was er in den letzten Jahren gesehen hat denn das war etwas was mich fasziniert hat.

00:01:22: ich habe den Eindruck du bist ein Alofage also ist ständig in der Republik unterwegs gewesen, ständig im deutschsprachigen Raum unterwegs gewesen überall.

00:01:32: So dass ich sagen würde wenn jemand von uns drei in irgendeiner Form beurteilen kann wie repräsentativ so etwas ist was man am Theater treffen sieht dann vielleicht du und zum anderen sitzen wir beide uns sehr häufig gegenüber kommt das Gespräch darauf, was du gesehen hast und man denkt sich, dass sollten wir beim Mittagessen oder sonst wo noch mal vertiefen.

00:01:53: Aber zu diesen Vertiefungen kommt es meistens nicht, weil das Heft gemacht werden muss.

00:01:57: insofern ist auch für mich ein Spaß, mal diese Infos aus dir rauszuquetschen.

00:02:04: Ich würde vielleicht genau damit anfangen.

00:02:07: der Anspruch des Theater-Treffens ist die bemerkenswertesten zehn Aufführungen gesamten deutschsprachigen Theaterraums nach Berlin zu laden.

00:02:23: Wir sprechen von Vierhundert und Sohn, so viel öffentliche also städtischen und staatlichen Häusern.

00:02:29: sehr viele der Privaten sind dann noch gar nicht mitgezählt.

00:02:32: es gibt ja auch sehr viele Freie Gruppen preis Szenen.

00:02:36: ist das ein Anspruch den man überhaupt erfüllen kann?

00:02:42: Ja, das ist ja auch das Problem des Theatertreffens und es ist auch das eigentlich singuläre Problem dieser Kunst.

00:02:49: Dass sie eben tatsächlich immer vor Ort stattfindet und vor sehr vielen verschiedenen Orten.

00:02:54: Die haben dieses Jahr mehr als siebenhundert Inszenierungen gesichtet alle miteinander also sind sieben JurorInnen die so oft die Räume glose verteilt sind.

00:03:03: Es sollte immer jemand im Raum Berlin, im Raum Ruhrgebiet, im Raum Schweiz Österreich sein.

00:03:10: Also sagen die so eine Vorsichtung vornehmen und daraufhin reisen dann alle anderen, wenn jemand sagt hier ist was Tolles.

00:03:16: Reisen dann die Anderen an und schauen sich es auch an aber das ist natürlich über

00:03:19: welchen Zeitraum?

00:03:20: Ein Jahr.

00:03:21: Das heißt also man kann sich vorstellen dass tatsächlich hunderte von aus von von Aufführungen gesehen wurden von der Jury

00:03:32: Von der kompletten Jury?

00:03:33: Ja.

00:03:34: Was man von der kompletten Jury, es gibt ja immer eine sogenannte Shortliste die aber eigentlich die Longlist ist also das sind die Inszenierung bei denen jedenfalls ein Jurymitglied gesagt hat ja und wenn ein Jürgenmitglid ja gesagt hat dann ist eigentlich der Job der anderen dort auch hin zu reisen.

00:03:53: Also wenn man sich die Shortlist anguckt Das sind vielleicht sechzig ich weiß es nicht genau Dann sieht man Da sind dann mehr oder weniger alle hingereist.

00:04:01: Also das klappt doch nicht immer.

00:04:05: ganz zur Not, guckt man sich auch mal eine Aufzeichnung an... Die Theater machen ja eigentlich von allen Inszenierungen auch Aufzeichnungen intern die in der Regel nicht rausgehen.

00:04:15: aber für sowas geht dann auch mal ne Aufzeichlung raus so dass man es so sichten kann.

00:04:19: Aber eigentlich ist wirklich der Job im ganzen deutschsprachigen Raum sich diese Sachen anzugucken und umgekehrt ist es hier auch so.

00:04:28: Das normale Theaterkritikerinnen, die nicht in dieser Jury sind, haben auch gar nicht die Möglichkeit das alles einzugucken.

00:04:35: Die sind ja sehr konzentriert auf den Raum an dem sie sitzen – sei es in Frankfurt oder Berlin und so.

00:04:41: Und das wird immer schwieriger weil das Geld immer weniger wird.

00:04:44: Es muss dann von der Zeitung oder dem Medium bezahlt werden wenn jemand...

00:04:48: Das Geld aber für die Jury des Theatertreffens, das Budget bleibt so dass tatsächlich alle hinreisen können wo immer Sie das Gefühl haben.

00:04:56: Tatsächlich, die kriegen die Fahrt bezahlt.

00:04:58: Die kriegen die Übernachtung bezahlt das ist alles gedeckelt.

00:05:01: Wobei also sowas wie steigende Hotelkosten und das hat sich enorm entwickelt in den letzten Jahren sind dann auch ein echtes Problem.

00:05:10: Aber ja dass es ein Bundesgelder also das ist sehr sehr öppig ausgestattet vergleichsweise Und das macht das möglich das ist.

00:05:20: in gewisser Weise ist es auch eine Fortbildungsaktion für Theaterkritikerinnen, die nämlich dadurch die Option haben an Orte zu kommen.

00:05:27: Man, die sie so nicht so oft kämen bei Weiten nicht so often kämen.

00:05:32: Es ist auch tatsächlich dann eine Entprovinzialisierungs-Aktion für die Theaterkritik nicht nur fürs Publikum das in Berlin die besten Aufführungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum hat sondern tatsächlich auch für die Kritik, die sonst sehr viel mehr auf ihre jeweiligen Räume festgefesselt wäre.

00:05:51: Und wenn du die Theatertreffen der letzten Jahre etwas Revue passieren lässt, weil du sagst Entprovinzialisierung.

00:05:57: Wie sieht es denn auf der Seite der Häuser aus?

00:05:59: Also wie viel der Theater jetzt nicht immer üblichen Verdächtigen sind – wie das Burgtheater, die Kamerspiele in München

00:06:07: etc.,

00:06:08: welcher wie groß ist der Anteil der Provinz, in der vermutlich sehr gut gearbeitet wird auch häufig am Theater treffen?

00:06:16: also wie ist die Selektion?

00:06:22: Du hast dir selber gesagt, es gibt vierhundert Häuser.

00:06:25: Und diese Häuser haben natürlich auch unterschiedliche Funktionen.

00:06:30: Theater wirkt schon immer erst mal in die Stadt.

00:06:33: Also das ist ja auch das Tolle daran.

00:06:34: Das ist hier auch die feudale Tradition.

00:06:38: Das kommt sozusagen von regionalem Zentren oder Städten und ist eigentlich erstmal für die Stadtdiskussionen und für die Bürger der Stadt, die da hingehen gedacht.

00:06:53: Also ein Beispiel, das mich mal sehr frappiert hat.

00:06:57: Das gibt in meiner Heimatstadt Ansbach eine sehr ungewöhnliche Weise einen im Jahr zwei Tausend Sieben neu gegründetes Ensemble Theater.

00:07:04: Bis dahin gab es das nicht.

00:07:06: Es gibt ein Theaterhaus, aber da waren so Tournee-Theater und die haben ein kleines Ensemble, aber sehr ambitioniert gestartet.

00:07:14: Kommunalgetragstätig

00:07:16: bezahlt?

00:07:17: Genau!

00:07:20: immer wieder auch angefochten, sehr stark angefochten.

00:07:23: Auch da von der AfD.

00:07:24: Sehr stark verteidigt von der CSU und den Konservativen aber auch sonst den anderen.

00:07:31: Und dann gab es eine sehr ambitionierte Intendantin die mehr Mittel wollte um auch die Strahlkraft des Theaters zu stärken und da gab es tatsächlich sehr explizit die Aussage wir wollen aber keine überregionale Strahl Kraft was eben auch hieße, dass das ästhetisch ambitionierter würde zum Beispiel.

00:07:53: Also deswegen komme ich darauf... Es ist eigentlich gar nicht so sehr die Funktion dieser kleinen Theater auf der Höhe und das ist ja vielleicht auch sogar eine falsche Metapher, sondern sich in dieser Hinsicht mit dem avanciertesten Theater messen zu wollen.

00:08:14: Man macht dieses Theater für die Stadt und daran gibt es viel Interessen.

00:08:17: Theater ist natürlich ein soziales Event Und da sollen auch verschiedenste Schichten, nicht vorgebildete Schichten nicht primär ästhetisch interessierte Schichten hingehen.

00:08:30: Deswegen ist es ja öffentlich gefördert und deswegen ist es dann aus Sicht eines Theaterkritikers einer Theaterkritikerin die sozusagen den heißesten Scheiß aus allen Orten kennt oft dann eben wirklich nicht aufregend Obwohl es toll ist, also es handwerklich gut gemacht.

00:08:50: Es sind Leute die was wollen und das sind Leute... ...die für diesen Ort einfach richtig wichtig sind.

00:08:56: Und natürlich trotzdem keine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen im deutschsprachigen Raum produzieren.

00:09:04: Toll ist dass es trotzdem passiert!

00:09:06: Also es gibt dann immer wieder so Orte an denen es gut zusammen kommt, wo's dann auch tatsächlich funktioniert, dass das Publikum interessiert ist mitmacht oder man setzt sich auch gegen das Publikum durch.

00:09:20: Also ich meine, dass ist oft eine Aufgabe.

00:09:22: gerade hat das neue Intendanten-Team in Wiesbaden große Schwierigkeiten.

00:09:29: die sind super ambitioniert, die machen tolles Programm waren letztes Jahr auch eingeladen Das Publikums will aber nicht.

00:09:36: Das ist natürlich grundsätzlich immer so ne Aushandlung und wir werden vielleicht noch über Zürich sprechen.

00:09:42: Das ist natürlich immer das Ding.

00:09:44: Es gibt immer diese Aushandlungen, da gibt es ambitionierte Leute die ihr Publikum auch überfordern wollen und manchmal kommt es dazu dass es wirklich funkt und funktioniert.

00:09:54: Theater des Jahres letztes Jahr war Magdeburg.

00:09:56: Das ist ein junges ambitioniertes Team.

00:09:59: Magdeburger ist kein großes Theater obwohl das die Landeshauptstadt ist hat lange vorher auch nicht wahnsinnig viel Aufsehen erregt und dieses Dreia-Team hat da was gestartet und indem sie richtig tolle Sachen gemacht haben, ambitioniert aber schon auch auf die Stadt zugeschnitten.

00:10:16: Also jetzt nächsten Samstag ist da die schon überregional weit beachtete Premiere eines Stücks zum Attentat in Magdeburg von Kevin Rittberger.

00:10:26: also das ist eigentlich so der super Glücksfall.

00:10:29: man hat ein Theater in der Provinz dass nicht einfach nur gutes Theater macht für diese Stadt sondern da kommt was zusammen wo dann mehr als nur Gutes Theater passiert, sondern das strahlt dann aus über regional.

00:10:43: und natürlich ist es, dass Theatertreffen total glücklich auf sowas zu stoßen.

00:10:47: Weil man will das natürlich auch zeigen.

00:10:50: Andererseits ist das Theatertreffen keine kuratierte Veranstaltung in dem Sinne, dass ein Plan hat was soll hier vorkommen?

00:10:59: Und dann wird das gesucht, sondern alle gehen zur Inszenierung und wählen da und wollen die, per se am tollsten finden, aus welchen Gründen noch immer zeigen.

00:11:11: Das was du gerade beschrieben hast von dem Theater in Ansbach das sich dezidiert der überregionalen Strahlkraft verweigert finde ich ganz interessant auch dass du über andere Bühnen dieser Art sagst also die typischen städtischen Bühne diesen kleinen und mittleren Städten gibt.

00:11:30: eine Ausnahme davon scheint Aber ja die Theaterlandschaft in Ostdeutschland vielleicht tatsächlich zu sein.

00:11:38: Und das, was du jetzt über Magdeburg erzählst gehört auch dazu.

00:11:40: Du hast in deinen Theaterkolumnen zwei geschrieben, die sich dezidiert mit verschiedenen Häusern in Ost-Deutsch land auseinandersetzen und beim Wiederlesen dieser Texte für unser heutiges Gespräch kam mir das auch noch mal irgendwie seltsam vor, wie das organisiert ist.

00:12:03: Weil mir das so vorkommen als würden dort dann eben avancierte Ansätze sozusagen ausgesetzt, verkörpert durch einzelne Personen vielleicht im Fall von Florentiner Holzinger und Spirin besonders auffällig aber auch in anderen Fällen mich gefragt, was das bedeutet.

00:12:26: Dann landen da irgendwie so Theater-Ufos und machen etwas wo dann auch Theaterkritikerinnen aus Berlin hinreisen und andere Fans die das irgendwie gerne sehen wollen.

00:12:39: aber ich kam nicht umhin da irgendwie einen leicht kolonisatorischen Beigeschmack zu haben.

00:12:52: Wie ist es damit?

00:12:55: Also ein besonders krasses Beispiel dafür, das kam gar nicht vor ist das Lausitz Festival.

00:13:01: Der

00:13:02: Inbegriff eines Top-Down Festivals würde man sagen oder?

00:13:05: Genau, eines

00:13:05: Top Down Festivals ist auch da, wo ich sage es ist ambivalent.

00:13:10: also es ist tatsächlich top down.

00:13:12: da hat sich irgendwie einen Spitzenpolitiker und einen spitzen.

00:13:14: Kulturmanager haben sich im Kopf gesetzt dass die Lausits mit avancieter Kultur-, Theaterkultur aber nicht nur beglückt werden soll ... mit viel, viel Geld.

00:13:25: Und es ist super umstritten weil... Es gibt viele lokale Initiativen vor Ort die sagen wir sind da nicht eingebunden dabei machen wir doch auch interessante Sachen.

00:13:35: Die machen halt keine Spitzenkultur.

00:13:38: und das ist halt dann die Frage also Coibono, wem nützt es diese Kultur dort abzuwerfen einerseits andererseits?

00:13:46: und tatsächlich ist es auch so ich war da beim Veranstaltungen Da sitzt man im Zug unter fährt dann halt auch ... in einem enge Berlin dort hin, um sich das dort dann anzugucken.

00:13:54: Das ist natürlich sinnlos!

00:13:57: Also... Aber es ist trotzdem wahr – es gibt auch Leute da, die das toll finden und die es super finden, dass so was mal dort stattfindet und dass sie nicht nach Berlin fahren müssen, um sowas zu sehen….

00:14:07: Es ist total zweischneidig.

00:14:09: Und diese Holzinger-Sache in Schwerin war interessant, weil das war ja eine Co-Produktion, also das war Sanktar, diese...

00:14:19: War ... war Vierundzwanzig oder?

00:14:21: Ja Kurproduktion zwischen Schwerin, Stuttgart, Europa-Stuttgart und hier in Berlin die Volksbühne.

00:14:32: Sehr interessante Kurproduktion.

00:14:34: aber tatsächlich ging das von Schwering aus.

00:14:36: also der ursprüngliche Anstoß.

00:14:39: Ich war da bei der, war ich dabei der Premiere?

00:14:45: Und da war natürlich auch ganz viel auswertiges Publikum.

00:14:50: Da waren tatsächlich auch... Das ist ja nicht nur schlecht, dass Leute von woanders da hinkommen.

00:15:01: Die lernen

00:15:01: dann vielleicht mal auch Schwerin kennen

00:15:03: und die sonstigen Schönheiten

00:15:04: der Stadt.

00:15:05: Auch für Stadtmarketing natürlich nicht schlecht, wenn diese Sorte von Kulturstrahlkraft entwickelt.

00:15:11: Blöd wird es halt dann, wenn man denkt, hier ist überhaupt nichts an das Publikum vor Ort gedacht.

00:15:15: Und das ist wirklich ein Ufo!

00:15:18: Schienen wir in Schwerini jetzt ehrlich gesagt nicht so?

00:15:20: Also da war schon auch begeistertes Publikum vor Ort.

00:15:25: Interessanterweise hat es da auch gar keine, hätte man ja mit Filmen gerechnet also dass die AfD da zum Beispiel komplett durchdreht.

00:15:33: aber den Skandal gab's ja interessanterweise eher in Stuttgart Wo das... Die Christenmenschen.

00:15:42: Gut, der Bischof in Wien hat sich auch aufgeregt und es irgendwie je gesehen zu haben.

00:15:47: Aber das ist interessant!

00:15:48: Der Skandal ist dann tatsächlich eher im Stuttgart entstanden.

00:15:52: Weil jetzt kein Riesenskandal, aber so ein kleiner Skandal.

00:15:55: Und Stuttgarter ist ja seit Peimanns Zeiten auch skandalerprobt.

00:15:58: Also diese Aufregungswille gehörten natürlich auch dazu.

00:16:02: Sicher ist so eine bürgerliche Aufregungwille nochmal was anderes als die AfD dass ein Komplett desinteressiert ist und nur dagegen arbeitet, und dagegen hetzt.

00:16:15: Und ohne sich im Mindesten dafür zu interessieren was da eigentlich passiert und stattfindet.

00:16:21: Eine Veranstaltung über die ich auch zunächst in deiner Kolumne informiert wurde war im Bitterfeld ein Festival das so ziemlich das Gegenteil dessen zu sein scheint jedenfalls deinen Packs nachzuurteilen Was das Lausis Festival will, nämlich Osten heißt es und war von einem Metzen ins Leben gerufen der dann zu einer kurz vor der zweiten Auflage verstarb.

00:16:51: Und wenn du noch mal sagen könntest was eigentlich daran so interessant war ich habe mir damals gemerkt, vermerkt so es denn weitergeht möchte ich da mal hin Und inwiefern das dann vielleicht doch für Theater im Osten und die Möglichkeiten beispielhaft sein kann, weil es geht ja auch um die Frage der Finanzierung.

00:17:19: Das Umgangs mit baulichen Gegebenheiten, die sehr häufig in einer Dimension sind – die Theater dort schlicht nicht füllen können?

00:17:30: Ja, das Ostenfestival ist in der Tat interessant, Die Macher schon auch aus der Berliner Szene eher oder zumindest nicht genuined, dass es nicht genuin von vor Ort entstanden.

00:17:45: Aber die haben sich für diesen Ort interessiert und dann gab es diesen ja mit zehn wobei finanziert war.

00:17:52: das ist das schon auf eher übliche Weise.

00:17:55: über Stadt und Land glaube ich.

00:17:56: genau weiß ich's nicht.

00:17:57: Es findet dieses Jahr wieder statt.

00:18:00: Sie haben es aber verschoben auf nach der Wahl, weil sie gar nicht in die ganze ... Beim letzten Mal gab's ja da Riesenstreiter hat die AfD auch wieder gehetzt oder sogar geklagt.

00:18:10: Völlig absurde Vorwürfe.

00:18:11: Aber das hat dann auch lokal für viel Unmut gesorgt.

00:18:16: Als ich dort war, war sozusagen parallel sogar eine AfD-Demo, die gar nichts damit zu tun hatte.

00:18:21: Man merkte schon, in welcher Stimmung man da unterwegs ist.

00:18:26: Aber dass ist eben genau deshalb schon anders als das Lauses Festival, weil die beschlossen haben wir gehen dahin.

00:18:33: Wir gehen nach Bitterfeld dann war es in Wolfen also ist ja eine Doppelstadt aber schon unterschieden und ganz viel mit Leuten vor Ort entwickelt haben geguckt haben was treibt die um?

00:18:47: Was machen sie?

00:18:48: Was kann man mit ihnen machen?

00:18:50: Das geht bis dahin dass eine Sache darin bestand dass von dem Ort in Wolffen wo's beim letzten mal war alte Feuerwache Ausflüge auf dem Motorrad ins Umland unternommen wurden, wo dann das Publikum jeweils einzeln als Soziussozia auf einem Motorrad fuhr und dann irgendwo abgesetzt wurde.

00:19:14: Das ist manchmal auch richtig tolles Theater.

00:19:18: Manchmal ist es gar nicht toll in diesem Sinne aber sehr schön weil das Kollektiv funktioniert.

00:19:25: Es gibt da einen relativ festen Ort, auch wenn es Performance ist im Stadtraum gibt.

00:19:31: Mit dem Fahrrad gibt es Ausschläge über das Industriegelände.

00:19:35: Aber es funktioniert einfach als Kollektive- und Communityveranstaltung zu der offizielle auch jeder eingeladen ist.

00:19:42: aber zugleich gelingt es natürlich nicht wirklich, da das rechte Publikum anzusprechen.

00:19:48: Und wie sieht's dann, weißt du das?

00:19:50: Wie sieht's denn, wenn das Festival gerade nicht tagt eigentlich mit dem Theater dort aus.

00:19:56: Also gibt es ein Ensemble, ein Festes?

00:19:59: Werden die Häuser bespielt?

00:20:00: Nein oder?

00:20:01: Nein also der Ort an dem das zuerst einmal stattfand und das war eben sozusagen der Metzenen, der gar nicht so sehr finanziell sondern vor allem auch Idealen Metzene war.

00:20:11: Ein Unternehmer von vor Ort bei Bitterfeldt, der den Kulturpalast da gekauft hatte oder ja ich glaube... Wahnsinnig wichtige Ort zu DDR-Zeiten.

00:20:25: Nicht zuletzt, weil die Jugendweihe dort immer stattfand und wir waren da unterwegs... Da kommt man auch mit Leuten von dort ins Gespräch, die sich erinnern und den Tor aus dem Wissen an ihre Jugendweiher erinneren und so was.

00:20:37: Und also einfach so ein Ort so wieder zu öffnen, auch fürs Erinnern das ist natürlich einfach toll!

00:20:44: Aber sonst gibt es meines Wissens in Bitterfeld und Wolfen keinen Theater.

00:20:50: Einige der Häuser, über die du geschrieben hast in den beiden Kolumnen zum Theater im Osten haben Lösungen gefunden wo sie sich Ensembles teilen.

00:21:00: War das nicht... Es war in Schwerin etwa oder Görlitz?

00:21:05: Nee, das ist Neustrelitz.

00:21:06: Ja neustreliz bei Görliz, genau.

00:21:11: Ja das ist halt dann auch oft... Das Theater in der DDR war wahnsinnig wichtig.

00:21:19: Es gab einfach in jedem Ort ein Theater.

00:21:23: Also das ist ja auch in Westdeutschland enorm, aber es ist für die DDR, die viel kleiner ist und noch mal viel enormer, dass da überall ein Theater gewesen ist.

00:21:35: Und davon ist immens viel erhalten mit riesen Problemen weil die Häuser sind zu groß also in Dessau, Chemnitz, in Cottbus ... Teils monströse Bauten, tolle monströsen Bautn die man aber gar nicht mehr füllen kann weil die Städte schrumpfen.

00:21:54: Weil es Theater nicht mehr diese Funktion hat und das wird dann... Und die Stätte sind ja nicht reich und die Länder sind auch nicht reicher und das wir dann über kurz oder lang sehr schnell zu einem Problem.

00:22:04: unter einer Option ist dann das eben organisatorisch zusammenzulegen mal Theater in zwei Städten wie man es eher fort versucht hat Theater, also in einen Stadt Musiktheater.

00:22:18: In der anderen Stadt das Schauspiel zu haben.

00:22:22: Man muss eigentlich fast staunen, wie viel da immer noch erhalten ist.

00:22:28: Also wie viele dieser Theater es nach wie vor gibt die mit wirklich geringen Mitteln aber teils großer Leidenschaft betrieben werden und schon auch besucht werden.

00:22:39: Kotbus und Potsdam sind beide dieses Mal in diesem Jahr beim Theatertreffen präsent gewesen.

00:22:47: Ich habe leider beide diese Aufführungen nicht sehen können, was interessant ja wäre unter diesen Umständen zu fragen wie welche Bedeutung hat das Theatertreffer eben an Ausstrahlung für die Theater im Osten?

00:23:02: die dann in ihrer Mehrheit vermutlich weniger das Problem haben, sich am ganz ambitionierten ästhetischen Horizont zu orientieren.

00:23:10: Sondern zu überleben und in die Staatsgesellschaft zu wirken, zu schauen dass es eine Selbstverständlichkeit gibt den Tagesbetrieb herzustellen oder?

00:23:19: Ja also natürlich machen hier auch wie alle Theater ein Mischprogramm.

00:23:25: Also es gibt an allen Theater natürlich eher so die Inszenierung die mögen estätisch gut sein, sicherlich handwerklich gut.

00:23:34: Wo man dann aber eher die Schulklassen zum Beispiel reinmühlt also das ist ja schon auch immer noch in jeder Hinsicht auch wichtig dass klassische Stoffe klassische Stücke inszeniert werden wie regiteatermäßig oder modernistisch auch immer wo dann aber auch wirklich die Schulklassen hingehen um überhaupt mit Theater und diesen Stoffen in Berührung zu kommen.

00:23:53: Also das ist so ein Teil des Mischprogramms.

00:23:55: anderes richtet sich halt dann wirklich an was noch übrig ist von Bildungsbürgertum.

00:24:00: Das überschneidelt sich, kann aber auch noch mal anders sein.

00:24:03: Da trifft man dann tatsächlich auf Leute die sich richtig fein machen fürs Theater was man ja hier in Berlin eher weniger hat... Was ja auch schön ist!

00:24:14: Also das ist ja schon so sehr man vielleicht als Jugendlicher verachtet haben mag.

00:24:23: Aber das hat natürlich auch etwas wenn dieser Ort als solcher so geachtet wird dass man sich dafür fein macht.

00:24:31: Jetzt Potsdam und Kottbus.

00:24:34: Da ist der Fall natürlich, das ist sogar in beiden Fällen der selbe Regisseur Sebastian Hartmann was natürlich diese Theater schon auch machen und da ist Schwerin vielleicht auch ein Beispiel mit Florentina Holzinger.

00:24:45: man leistet sich natürlich auch mal avant-garde klingt jetzt fast negativ es meine ich aber gar nicht sondern ist dann im guten fall auch der ort jemanden ans haus zu holen Von dem man weiß, dass dessen Inszenierungen einerseits von der Kritik oft sehr geliebt werden aber andererseits das ganz schwer haben beim Publikum.

00:25:08: Sebastian Hartmann ist eigentlich immer so jemand gewesen.

00:25:11: Er hat einmal Theater geleitet in Leipzig.

00:25:13: Das war ein totales Desaster wurde richtig abgelehnt und gehasst von vielen.

00:25:19: er hat auch immer seine Fans gehabt wie das so ist bei solchen Leuten zum Beispiel mich.

00:25:23: ich bin totaler Sebastian Hartman Fan Und der hat jetzt schon ganz lange Eigentlich gar kein Theater mehr, wo er auch nur Haus-Regisseur wäre und der wird so rund um eingeladen.

00:25:38: In Dresden hat er öfter Sachen gemacht in Berlin gar nicht mehr, obwohl er eigentlich auch so aus dem Volksbühnenumfeld stammt.

00:25:46: Ostregisseur also auch einer der wenigen als wenig aber jedenfalls einen dezidierte.

00:25:52: Ich erinnere mich, da stimmen einiges her.

00:25:54: Der hat mal auch eine ziemliche Invektive gegen das Theater treffen.

00:25:59: Also vor fünfzehn Jahren sowas dürfte es gewesen sein.

00:26:02: Hat sich also sehr lautstark darüber aufgeregt dass die Theater doch mal bitte was anderes machen sollten als alle wie gebannt nach Berlin zu schauen weil sie andere Aufgaben hätten.

00:26:10: Was dann in einer ironischen Wollte ist, dass im Grunde genommen für ihn extrem sinnvoll ist dass er jetzt die Möglichkeit hat dort besonders sichtbar zu sein.

00:26:21: Er wird halt auch tatsächlich ständig eingeladen mit an unterschiedlichen Endriesten und jetzt eben im Cottbus.

00:26:28: Das war glaube ich wirklich das erste Mal, dass er ein Cottbus was gemacht hat.

00:26:31: Hauptmann von Köpenick oder den Potsdamer.

00:26:33: Ich glaube es war das erste mal, daß er ein Potsdammers gemacht hat.

00:26:36: Es waren interessanterweise zwei total unterschiedliche Inszenierungen beide schon auf ihre Weise toll Und beide auch eher ungewöhnlich.

00:26:47: verharrt man die eine ganz ungewönlich nämlich in Solo dass ein Schauspieler Guido Lambrecht komplett puristisch gespielt hat.

00:26:57: Du sprichst jetzt von Serotonin, nicht?

00:26:58: Ich spreche jetzt

00:26:58: von serotonin.

00:26:59: also diese eineseits eine Adaption des UL Beckromans.

00:27:04: Adaption im Sinne von.

00:27:05: er erzählt eben auch als ich die Geschichte dieser ich erzähler Figur.

00:27:10: das ist viel Romantikst Das aber verbunden mit einer Ost-Westdeutschen Geschichte.

00:27:18: das ist glaube ich ist schon auch die Geschichte des Schauspielers Guido Lambrecht, die dann interessanterweise aber in der dritten Person erzählt wird.

00:27:25: Irgendwie der Junge oder so... Aber das ist wirklich völlig puristisch.

00:27:29: da sitzt, einmal in fünf und ein halb Stunden lang ohne Pause ...in einem weißen Kasten, der auf die Bühne gestellt ist.

00:27:36: Da ändert sich gar nichts!

00:27:38: Also seine Haltung ändert es sich manchmal.

00:27:39: mehr sitzt meistens, dann steht er mal kurz, dann sitzt er wieder.

00:27:44: Völlig unterschieden von dem, wofür Sebastian Hartmann eigentlich berühmt ist.

00:27:48: Nämlich so ein Bilderteater oder Atmosphären-Teater, wo über Lichtmusikstimmungen und so weiter Atmosferien erzeugt werden.

00:27:59: Das war selbst der Hauptmann von Küpplicken nicht so richtig.

00:28:02: Da gab es Elemente davon.

00:28:03: Es war ungewöhnlicherweise auch eine Komödie die sich als Kasper Theater inszeniert hat Das aber auf sehr extrem intelligente Weise um dieses Stück rum bewegte.

00:28:16: Also teilweise das Zehnen aus Namen, aber gar nicht so sehr.

00:28:18: und dann bis dahin dass eine legendäre Thomas Gottschalk Late Night Szene nachgestellt akustisch reproduziert wurde, aber dann von Puppenfiguren oder Schauspielern mit riesigen Puppenkörpfen nachgestellt Wo Heinz Rühmann, eben als berühmtester Hauptmord von Köpenick Darsteller Gottschalk und Joachim Kaiser der sich da auf die Knochen blamiert.

00:28:48: Und Rühman feiert als den perfekten großartigen Deutschen.

00:28:52: so sollten wir alle sein nicht soldatisch zivil.

00:28:55: aber ein paar andere Aspekte von Rühmern wurden dann dann nicht erwähnt.

00:28:59: das war aber auch Rühmans letzter Fernsehen.

00:29:01: also bis bis dahin sagen das ist ein sehr sehr disperates und hat man auch ein bisschen ungewöhnlich Aber dass die beiden in Cottbus und Potsdam entstanden sind, aber natürlich vor allem als Hartmann Inszenierungen dann ins Theatertreffer eingeladen.

00:29:17: Sind die

00:29:19: repräsentativ für diese Lektion, die die Jury getroffen hat?

00:29:27: Ich frage deswegen, weil ich sie beide leider nicht sehen konnte... etwas bösradikformiert, weil ich mich manchmal sehr geärgert habe und gar nicht ärgern wollte.

00:29:41: Das ist ja dann auch nochmal ein Unterschied, dass da vieles an postdramatischen Nachglüht aber auf eine nicht besonders angenehme oder produktive Weise.

00:29:56: Drissanterweise hab' ich gestern Korrektur lesend Deine nächste Theater-Kolumne zu Reinhard Götz gelesen und bin dort dann über ein Zitrat von Götze aus dem Jahr zehntreizend gestolperter hieß es.

00:30:13: Die zentrale Formidee, die mir bei alledem insgesamt vorschwebt ist ein nachpostdramatisches Theater das auf die Erschöpfung des postdramaatischen Theaters reagiert aber ohne dessen fantastische Leistungen aufzugeben.

00:30:27: Und ich frage mich Ich fragte mich, ohne dieses Motto zu kennen.

00:30:32: Hat das Theatertreffen XXVI und ich erinnere mich an die letzten Male auch?

00:30:37: Hat es das eingelöst?

00:30:41: Also Gott spricht da ja über eine Ästhetik, die er für sich sucht... ...die sich vom postdramatischen Abgrenzen will, ohne es abzulehnen.

00:31:02: auch sogar aufzuheben in etwas, wo wieder Figuren und so was wie ein... muss vorsichtig sein jetzt irgendwie nicht plötzlich Übereinfüllung und Identifikation zu reden.

00:31:16: Darum geht es auch nicht.

00:31:18: aber sozusagen einen Mitgehen mit den Figuren das darauf basiert dass diese Figuren eben auch als Figuren funktionieren und nicht schon immer als Figur überwunden sind Also als psychologische Individuen überwunden sind, was ja ein Merkmal des postdramatischen gewesen ist.

00:31:41: Ich glaube schon dass die Theatertreffen Jury so wenig sie kuratiert und es auch völlig glaubwürdig zugleich achtet sich natürlich darauf das nicht alles dasselbe ist was da läuft also nicht alles aus derselben Sorte Theater.

00:31:55: Es gibt schon eine Idee von Repräsentativität Die im Hintergrund steht stehen muss, auch weil die Geschmäcker der Leute ja natürlich verschieden sind.

00:32:05: Die da auswählen, das sind sieben Leute, die müssen sich ja auch einigen und wie es in so Jury eben auch ist also da wird manches irgendwie gerade noch so hingenommen von Jury-Mitgliedern dass gar nicht ihrs ist wo man denkt okay im Gottesnamen wenn du es so toll findest.

00:32:26: Insofern ist das alles immer eine richtige Mischkalkulation was dabei raus kommt.

00:32:31: Und diesmal gab es tatsächlich ja nur ein einziges, eine einzige Einladung an etwas was wirklich genuin freie Szene ist.

00:32:42: Womit man jetzt auch, was auch genuin postdramatisch in diesem Sinne ist.

00:32:47: Das war leider das was wir drei gesehen haben und was eigentlich völlig indiskutabel war nämlich Three Times Left is Right.

00:32:55: Aber ich bin sicher, da gab es irgendwie schon den Punkt wo man sagte verdammt wir haben jetzt neunmal Stadttheater.

00:33:01: Florentina Holzinger so ein bisschen co-produziert aber letztlich ist die da inzwischen auch.

00:33:08: Wir müssen noch was aus der freien Szene holen und das dann das war worauf sie sich einigen konnten.

00:33:15: Es ist sicherlich schon Ein Alarmsignal dass nämlich in der freie Szene also den Eindruck würde ich teilen nicht mehr im Moment nicht mehr so wahnsinnig viel aufregend das passiert.

00:33:28: Da gibt es schon etablierte Ästhetiken, also was Shishipop und Gopsquad und sowas – das läuft weiter!

00:33:33: Und das ist auch mehr oder weniger immer schön zu sehen.

00:33:36: Wobei auch die schon alteren ... Also insofern hat mir auch diese... weil du gesagt hast, dass das jetzt auch typisch Götz der sich das wünscht aber ich halte das doch für relativ zeitgemäß, weil ja auch diese Ästhetik in die Jahre gekommen ist, sich abnutzt und man vieles kennt.

00:33:50: Die großen Personen, die dir hervorgebracht haben, die Künstlerinnen Es gehen jetzt auch alle schon die Rente entgegen.

00:33:57: Insofern würde man sich wünschen, dass Errungenschaften, die damals gemacht sind weiter bewahrt werden.

00:34:02: Ich finde diesen Wunsch von Götz könnte ich durchaus nachvollziehen.

00:34:07: Warum ist das denn bei der freien Szene so?

00:34:09: Ist es ein Corona-Nachfolge oder ist es ein ästhetisches Problem?

00:34:16: Ich glaube schon, dass es ein Ästhetisches Problem ist also ... Die Sachen waren eben in den neunziger Jahren und als auch Hans-Ties Lehmann diesen Begriff des postdramatischen Theaters geprägt hat.

00:34:30: Das war einfach nicht nur in Deutschland, das waren ja Avantgardsachen die aus New York und auch aus Benelux und so kamen... ...das war einfach wahnsinnig umstürzend aufregend und revolutionär!

00:34:43: Und ich glaube alle würden zustimmen dass sich das inzwischen tot gelaufen ist zu negativ aber so ein etabliert hat auf eine Weise ... die die Energie daraus genommen hat.

00:35:00: Wenn man in die Sachen geht, also so jetzt ins Hau oder so... In Berlin dann würde ich schon auch sagen klarerweise kommt da kein junges Publikum nach.

00:35:12: Also das hat nach wie vor sein Publikuum aber man altert somit.

00:35:15: Man ist mit Ausnahmen im Schnitt des Publikums.

00:35:19: Ist das Nicohort?

00:35:20: Das postdramatische Theater ist gealtert und sein Publikum altert mit Und die Jungen interessiert das aber auch tatsächlich schon gar nicht mehr.

00:35:27: Das ist irgendwie jetzt das Alte und diese Szene ist ästhetisch eben um eine Zway-Out, und die Frage ist schon was kommt da eigentlich gerade aufregendes?

00:35:44: Und da muss man sagen also klar gibt es ein paar junge Truppen in Frankfurt der Hauptschule und so ein paar Sachen, die Aufmerksamkeit erregen, noch nicht.

00:35:55: Julian Hetzl ist auch nicht mehr so jung, der dieses three times left district gemacht hat kommt aber auch eher aus der Kunst und also ist es auch glaube ich eher was Singuläres.

00:36:08: Also das wäre schon die Frage, die sich stellt Was kommt da?

00:36:11: Also nochmal zu Götz Da spricht natürlich ein Autor Und das is ja eh so'n Ding, dass deutsche Theater- und Theater treffen Das ist halt Regie-Theater und ganze Theater-Szenen Ist natürlich eher mal Eine Regieszene, was ein großes Problem ist für die Gegenwartstramatik.

00:36:29: Ja eben auch einen Punkt der dabei auffällt bei der Auswahl vom Theatertreffen aber auch in dem was ansonsten zu sehen Stoffe, die genommen werden ja sehr häufig eben überhaupt keine Dramatik ist.

00:36:42: Sondern eben Romane sind wie im Fall von Ur-le-Bag oder jetzt mal deswegen auch im Fall vom Three Times Leftes Right.

00:36:50: das ist so eben überhaupt kein Textvorlage in dem Sinne dass es ein Drama wäre oder einen Roman sondern eine Textmontage die dort in einem Kollektiv wahrscheinlich erarbeitet worden ist.

00:37:03: aber zu, also insofern klar haben irgendwie Orthoren da auch nochmal andere Fragen daran.

00:37:11: Aber noch mal zu dem, worüber ihr jetzt gerade auch sprach den Unterschied zwischen den Inszenierungen die aus Stadttheatern kommen im weitesten Sinne und aus der freien Szene.

00:37:26: Es klang jetzt irgendwie so als sei quasi Der Stadttheaterbetrieb oder der in dieser Weise subventionierte Betrieb, eben einer von dem man die ästhetischen Innovationen eventuell noch erwarten könnte.

00:37:41: Aber in der freien Szene habe sich das irgendwie tot gelaufen von wegen Überalterung, Abnutzungen von ästhetischen Formen und so weiter.

00:37:50: also das konnte ich jetzt bei dem was ich beim Theatertreffen gesehen habe überhaupt nicht erkennen.

00:37:58: Also vielleicht hab' ich das auch falsch verstanden was ihr gerade diskutiert habt.

00:38:01: aber dass Das kommt mir eigentlich überhaupt nicht so vor.

00:38:06: Ich würde eigentlich eher denken, dass es sich bei dem Theater vermutlich genauso verhält wie auch in... anderen Kunstformen, die vergleichbare Probleme haben.

00:38:19: mit Blick darauf woher kommt jetzt Innovation?

00:38:22: Wie kommt das neue dort hinein?

00:38:24: und das gelingt selten in dem eben aus sich selbst herausgeschöpft wird.

00:38:28: Man wegen auch bei der Literatur was jetzt also die Kunst wäre, mit der ich mich besser auskenne sondern in der Regel gelingt es ja eben dadurch dass man in andere Spaten ausgreift.

00:38:40: Man hat beim Theater auch ganz extrem so gewesen beim postdramatischen Theater das von Performance und so weiter auch profitiert hat.

00:38:49: Aber so wäre es doch jetzt auch, dass im Prinzip man nicht bei sich selbst suchen kann sondern eben aus der Kunstform hinaus in andere gehen muss oder in andere Bereiche um das wiederzubeleben.

00:39:06: Also auch nochmal um das ein bisschen klarer zu machen also das Postdramaatische Theater hat ja auf ganzer Linie gesiegt?

00:39:13: Ja!

00:39:13: Das Stadttheater ist zum großen Teil postdramatisches Theater in wie auch immer gemischten, ermäßigten Formen.

00:39:23: Es gibt ja kein klassisches Schauspieltheater mehr höchstens noch als Monologue.

00:39:30: Also interessant.

00:39:30: also jemand wie Jens Harzer der hier am Berliner Ensemble... Der ist so ein klassischer Schauspielstar und der reagiert dann auch mit einem Oscar Wilde Monolog.

00:39:40: Ja, das hat aber aus meiner Perspektive auch ehrlich gesagt überhaupt nicht funktioniert.

00:39:44: also dass ich meine... Ich habe mir das angeschaut sozusagen auch als professionellem Interesse am Stoff

00:39:52: usw.,

00:39:53: aber ich dachte wirklich was Was soll das denn jetzt als Form?

00:39:58: Also erst mal hat er mich als Oscar Wild überhaupt nicht überzeugt, sondern wenn überhaupt als Jens Harzer der Oscar Wild darstellt.

00:40:09: Das hat mich überzeugt!

00:40:11: Das habe ich auch genossen zu sehen weil ich mir ganz herzlich gerne angucke.

00:40:16: Ich dachte ah, hier war es über die Seelenqual der Liebe, die ihren Namen nicht zu nennen darf.

00:40:25: Oder eben Homosexualität um nineteenhundert oder was auch immer sondern ich erfahre hier etwas darüber wie ähm die ästhetische Version von Visionen von Jens Harzer mit Blick darauf ist.

00:40:37: oder eben Oliver Reese.

00:40:38: Der Regisseur glaube ich gewesen.

00:40:40: in dem Fall ja und er ist eben auch also so wie du es von jetzt Hier Serotonin beschrieben hat.

00:40:51: In seiner kleinen Zelle, gut in dem Fall natürlich auch weil es mein Text geht in einer Zelle entstanden ist.

00:40:56: aber was ist der Mehrwert?

00:41:03: Also das ist tatsächlich anders als bei Guido Lambrecht.

00:41:07: Jens Harzer ist eigentlich sowas ... vom postdramatischen Theater oder überhaupt von der Avantgarde abgeschafft werden sollte.

00:41:18: Nämlich ein Star im Sinne des Virtuosen, zu dem man hingeht nicht um... Oscar Wilde zu sehen, sondern um den Star zu sehen.

00:41:28: Ja und er war auch in anderen Inszenierungen und ehrlich gesagt macht der dann alle andere auf der Bühne platz?

00:41:32: Also ich bin in Ivanoff gesehen im Bochum und als ich hier auch gefragt war können die andern nicht von Sockenpuppen gespielt werden oder so.

00:41:41: was soll denn das jetzt?

00:41:43: also er hat

00:41:43: sich auch nicht zurückgenommen würde

00:41:45: ich sagen.

00:41:45: Es gibt halt das Publikum Will sowas halt auch, also Melna Lars-Eidinger ist das in gewisser Weise auch ein bisschen andererweise...

00:41:50: Ja und ich finde es furchtbar!

00:41:51: Das ist doch irgendwie auch eine patriarchale Art Theater zu machen.

00:42:02: Es war

00:42:03: ja zum Glück immerhin nicht zum Theatertreff eingeladen?

00:42:05: Ja, das hat jetzt auch ein bisschen irgendwie auf Abwege geführt weil wir

00:42:09: quasi

00:42:09: noch bei der Frage waren wie es also woher die Erneuerungen kommen könnte...

00:42:13: Genau!

00:42:14: Also darauf wollte ich auch noch was sagen dass wo ja manche vermuten würden dass sie herkommen sollte ist die Kunst und Da ist natürlich jemand wie Florentina Holzinger eine sehr interessante Figur, weil die tatsächlich auf jeden Fall schräg reinkommt in die ganze Sache.

00:42:34: Die kommt jetzt ja nicht von der Kunst.

00:42:35: Sie ist eigentlich nach entdeckt worden bei der Bienale en Venedig durch die Kunst.

00:42:41: Aber zugleich ist das was sie macht auch nie als Theater identifizierbar gewesen und gemeint gewesen.

00:42:50: also Da kommt irgendwie etwas von einem Impuls tatsächlich von woanders her.

00:42:54: Also ist natürlich sehr stark einfach auch individuell, Florentina Holzinger.

00:42:59: aber es nimmt Impulse von wo anders auf und das wäre natürlich an sich dann schon der Weg.

00:43:05: also deswegen... Der Vergleich mit Schlingen Sief liegt auch relativ nahe, also auch Schlingen sief war jemand der irgendwie davon außen reinknallte, da kam er eigentlich eher so vom Film oder von der Experimentalfilm oder so und hat dann den Betrieb aufgemischt, aber auch verändert.

00:43:23: Also dass solche Figuren, solche inspirierenden Figuren genau... Die gab es natürlich auch im Postdramatischen da war es vielleicht wirklich polisch der sozusagen als von der Gießener Schule derjenige war, der den Gesamtbetrieb am meisten verändert hat.

00:43:37: nicht weil es viele Epigonen und Nachahmer geben konnte dazu sind diese Figuren ja auch immer zu singulär Aber zugleich gezeigt.

00:43:48: Das kann auch ganz anders aussehen, was wir unter Theater verstehen.

00:43:51: Und so jemand ist glaube ich Lorentina Holzinge auch.

00:43:53: also als das wird man überhaupt erst mal abwarten müssen, dass die Folgen von Holzinger für das Theater im Weiteren sind.

00:44:01: aber das denke schon, das ist so ein Versuch.

00:44:05: Ich meine interessant, worüber man dann natürlich sofort auch sprechen könnte es der Kon-Desaster?

00:44:12: Das war der Versuch, jemanden der von außen kommt in dem Fall tatsächlich von der Kunst Im Theater zu implementieren, der wurde als Fremdkörper wahrgenommen und abgestoßen.

00:44:24: So kann man das ja beschreiben.

00:44:27: Das kamen wir auch nicht genuinen sozusagen als neuer ästhetischer Impuls sondern als versucht davon oben irgendwie eine Öffnung herzustellen.

00:44:34: Ich fand ja als einer der wenigen auch super interessant was er dann versucht hat und gemacht hat.

00:44:38: Es wurde aber einfach abgelehnt.

00:44:41: Interessanterweise wird das jetzt noch mal versucht in Berlin.

00:44:46: Also es gibt jetzt die zwei doch interessantesten Häuser der Stadt, würde ich sagen, nämlich das.

00:44:52: Maxim Gorki und die Volksbühne haben neue Inzendanten ab der nächsten Spielzeit.

00:45:00: Die Volksbüne mit Matthias Lilienthal – das ist einerseits naheliegend gewesen, andererseits schon sehr geschickt weil Liliental sowieso einfach ein super Intendant ist, wo immer er neu angefangen hat sehr interessante neue Sachen gemacht hat und wiederum sein Abstoßungserlebnis in München hatte, an den Kammer spielen.

00:45:26: Wo er nach einer Intendanz-Zeit nicht verlängert wurde.

00:45:34: Interessant ist aber das am Maxim Gorki auch.

00:45:37: was passiert?

00:45:39: Dass tatsächlich jemand Chala Elk die so eine Mittelfigur ist zwischen Theater und Kunst Also auch im Kunstbereich Bienale Venedig gearbeitet hat und am Maxim Gorki arbeitete er dort aber eher für die Kunstseite, die es da auch immer schon gab.

00:45:58: Ne Habst-Salon zuständig war.

00:46:00: Das heißt so eine neue Intendantin installiert worden ist, die tatsächlich nochmal ganz neu dieses Theater noch mal ganz neu aufsetzt, das die letzten Jahre extrem erfolgreich war als Bühne Diversität, migrantische Themen, migrantischen Figuren, postmigrantische Figuren stark gemacht hat und super gut funktioniert hatte als diese Bühne.

00:46:26: Und auch sehr stark sich ausgewirkt hat und ausgestrahlt hat.

00:46:34: Das wird jetzt abrupt rumgerissen und in dem eine Figur da installiert ist die tatsächlich auch sich wieder... der Kunst nähert.

00:46:46: Das wird man einfach abwarten müssen, ob das wirklich Impulse setzt oder spannende Sachen passieren.

00:46:51: Das ist im Vorhinein nicht zu beurteilen.

00:46:55: Aber Lilienthal wird natürlich sowas auch machen.

00:46:58: Also Linienthal ist immer jemand gewesen, dem es total wichtig war, Sachen zu probieren, neue Formate zu probiern und neue Leute reinzuschmeißen.

00:47:11: Das macht er hier sehr, sehr vorsichtig.

00:47:13: Er übernimmt total viel aus dem alten Volksbild in Repertoire was sicher schlau ist.

00:47:17: Warum sollte man die polisch Sachen jetzt nicht auch noch weiterspielen?

00:47:22: Aber da müsste man im Moment glaube ich hingucken wenn man wissen will wo passiert dann vielleicht doch nochmal etwas Neues im Theater?

00:47:33: Ja, ich würde auf zwei Sachen gerne zurückkommen.

00:47:34: Und zwar einmal die Frage nach dem Kunstbezug ist natürlich auch sehr undifferenziert was jetzt kein Vorwurf ist.

00:47:43: Ich habe das selbst so gesagt aber es wäre dann ja auch die Frage was das heißen soll.

00:47:48: und da kommt es mir eigentlich eher so vor dass an den Orten oder auch in den Instenierungen, in denen man das wahrnehmen kann.

00:47:58: Dass gar nicht so sehr mal wegen einer Bezugnahme auf eine bestimmte Form Sprache ist oder auf Medien jetzt mal abgesehen davon dass allerhand irgendwie projiziert wird oder so damit Video gearbeitet wird oder KI-Stimmen oder was auch immer sondern eigentlich das es eher um unpopularisierte Theorie-Diskurse geht, die man deswegen auch in der Kunst sehr präsent sind.

00:48:25: Also so würde ich das zum Beispiel bei Florentina Holzinger wahrnehmen, dass alles was die Fragen nach Geschlecht-, Körper-, auch Queer-Theory oder so angeht, dass das eben Dinge sind, die Man an der Kunst auch finden kann.

00:48:41: aber es ist jetzt ja nicht so, dass man sagen würdest von der Form her unbedingt was der Kunst nur zugehörig wäre, weil es dazu viel zu sehr spektakel ist.

00:48:59: Und also auch bei zum Beispiel bei Sancta, wovon ich nicht so angetan war wie du glaube ich mir hat er je without summer viel besser gefallen hatte ich so ein bisschen eine Einung sei ja das ist jetzt irgendwie so ein bißchen friedrichstadtpalast für den smart set irgendwie irgendwie ein bisschen Nummern-Revue mäßig ist.

00:49:23: Der kritische Zugriff ist überaus zugänglich, um das mal freundlich zu formulieren.

00:49:34: Also es ist halt irgendwie populär für eben so ein bestimmtes Subsystem.

00:49:40: also das wäre das eine der Zugriffs auf die.

00:49:45: Und dann würde ich aber wirklich sehr gerne nochmal auf den Punkt zurückkommen, den wir jetzt eigentlich nur verschämt angesprochen haben.

00:49:51: Bis jetzt ist es noch mal quasi den Zustand von freier Szene und auch deren Repräsentanz auf dem Theater treffen, den du als sehr problematisch beschrieben hast, den nicht auch problematischen fand.

00:50:02: Darüber würde ich auch eigentlich gerne noch... gerne noch reden, also ich finde man kann da auch nicht so drüber hin weggehen.

00:50:08: Wir haben jetzt schon angedeutet das wir es schlecht fanden was wir gesehen haben.

00:50:12: aber ich finde, man sollte auch sagen warum und was eigentlich das Problem daran ist.

00:50:17: Aber weiß nicht will zum ersten Teil überhaupt noch etwas sagen?

00:50:20: Also zu dieser Kunstfalt.

00:50:22: Ich hätte schon mal interessiert gibt's sowas wie eine Art als ein charakteristischen Zeitmarker, weil wenn wir uns überlegen womit haben wir es da zu tun ist schon schwer zu beschreiben.

00:50:34: Es ist im Grunde genommen das postdramatische als Strukturelement all den Aufführungen die man da sehen konnte inherent und dass damit eigentlich natürlich eine Art Zeitmarke.

00:50:45: das muss also nach dem nach der Hochzeit des posttraumatischen Theaters entstanden sein.

00:50:52: Aber darüber hinaus hatte ich nicht den Eindruck, es war das was mich so befremdet hat.

00:50:57: Ich habe mir das angeschaut und dachte mir vor fünfzehn Jahren hätte ich das auch schon sehen können.

00:51:02: Das muss nicht unbedingt... also die Frage ist dieser Anspruch!

00:51:05: Du sprichst jetzt von der konkreten Inszenierung am Samstag.

00:51:08: Three times left is right, ja?

00:51:10: Aber ich ... Ja, nee aber von allen.

00:51:12: im Grunde genommen war das ... War keine dabei bei der ich gesagt hätte, dass es ist zwanzigundzwanzig und... Ich bin mir sicher!

00:51:19: Dass wenn ich als zweitausendsechsunddreißig mir nochmal anschaue, ich sagen werde genau damals war das so.

00:51:27: Ich hab's für Zeit nicht die Fuß gehalten.

00:51:30: Das ist jetzt in der Bildung ein Grundstil ja nicht komplett anders Wenn gleich da die Themen, glaube ich etwas mehr postkoloniales und queerness und so im Moment verhandelt werden.

00:51:44: Aber ich hatte schon den Eindruck eine Profilierte das ist die zwanziger Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

00:51:53: Ästhetik habe ich dort nicht gesehen sondern sehr viel was ich kannte.

00:51:58: Ich weiß noch gar nicht ob es dann gerecht ist zu sagen Das ist aber schlecht, es hätte doch das sein müssen.

00:52:04: Vielleicht ist das auch ein Anspruch der da nicht hingehört?

00:52:08: Aber hattest du das ähnlich empfunden oder würdest du sagen... ...das ist etwas was, sagen wir mal zumindest nach- und nur da hätte hergestellt werden können?

00:52:22: Man kann natürlich einerseits sagen man merkt immer erst hinterher was jetzt wirklich gerade neu gewesen ist.

00:52:30: Andererseits hat man Polish, als der da auftauchte und reinknallte sofort gemerkt.

00:52:36: Und

00:52:36: bei den Achtzigerjahren, wenn Kamerspielen für mich als Jürgen Mann drin war, hat man es eigentlich auch gemerkt?

00:52:41: Ja also das wäre am ersten schon Florentina Holzinger die halt ... Die ist ja sozusagen teilt des Theatertreffens eingeladen aber die Instaurierung konnte jetzt nicht gezeigt werden.

00:52:50: wie wird dann regulär... Aber auch unter dem Label Theater Treffen im Herbst wieder in der Volksbühne zu sehen sein?

00:52:58: Also bei Holzingern würde ich sagen wobei Lustiger, weil es ja gerade so einen ganzen Mini-Skandal gibt.

00:53:04: Weil Holzinger plagiiert haben soll bei Ann-Liv Young.

00:53:09: Das ist eine Sache aus den Jahren und sagen okay dann ist das also von dem Jahr.

00:53:16: Aber sie macht natürlich sehr eigene Sachen damit.

00:53:23: Also das ist spektakulär.

00:53:25: Also Holzänger ist Spektake, Theorie, Körper... zugleich, auf der höhere Diskurse würde man sagen und dann aber immer noch ein bisschen was mehr.

00:53:42: Nämlich schon auch Community-Building.

00:53:46: also das ist ja doch für mich immer das Erstaunliche dieser Inszenierungen dass die bei all der Drastik oder vielleicht dank all der drastik die sie haben an Körperverletzung jeder stattfindet.

00:54:00: Frauen die dann, also die Nacktheit sowieso.

00:54:02: Frauen die an Karabinerhaken in die Höhe gezogen werden und sich unter die Haut treiben.

00:54:07: Und das bei all diesen Dingen, die eigentlich transgressiv kodiert sind zugleich aber dass Ganze sich auf eine seltsame Weise empowernd und Community stärkend anfühlt.

00:54:26: Also das finde ich schon sehr.

00:54:29: Aber

00:54:29: welcher Community sprechen wir da?

00:54:31: Weil ihr habt mir vor den Älze nicht live anschauen können, sondern eine Aufführung in den Kamerspielen und da hatte ich den Eindruck dass die Community, die dort angespielt wurde, Ü-Siebzig war.

00:54:50: Für Holzinga trifft das ganz sicher nicht zu also...

00:54:52: Ja genau aber dann ist er so.

00:54:55: Da fallen dann offenbar auch die Publika auseinander, oder?

00:54:58: Ja.

00:54:59: Also Holzinge hat natürlich ihr Publikum und das ist natürlich tendenziell erstmal im Kern queer jung nonbinär mindestens in diesen Diskursen aber auch in diesen Communities zu Hause.

00:55:16: Das Tolle ist natürlich dass es so weit darüber hinaus greift.

00:55:19: also wie immer bei solchen wenn sie sagen neue Energiezentren entstehen das kommt ja eigentlich aus aus sehr spezifischen speziellen Szenen.

00:55:29: Wie gesagt, auch Polisch kam ja aus einer sehr speziellen, speziellen Szene und das Tolle ist dann halt wenn so was wirklich funktioniert, dann erweitert es diese Szene oder macht es die Szene zugänglich.

00:55:41: Zugleich gibt's da natürlich immer gleich die Ausverkaufvorwürfe also jetzt auch bei Vollsinger, die auch relativ wenig Bührungsängste damit hat sich einen Rundum branden zu lassen und aufzutreten Egal, also das ist aber total typisch dafür.

00:55:56: Also deswegen würde ich sagen wenn man das sucht dann hat man es in Holzinger.

00:55:59: Alles andere sind so würde ich auch sagen Fortführungen Verstetigungen Varianten von Dingen die mir jetzt auch bekannt vorgekommen wären.

00:56:12: Was habt ihr denn am besten gefallen eigentlich?

00:56:16: Ich finde schon...also ich find die Holzänger Inszenierung auch super stark.

00:56:20: vielleicht finde ich die auch besser als Sankta egal.

00:56:24: Also sie ist zurückgenommen, die hat... also Sanktai ist halt auch irgendwie so ein Overkill-Ding.

00:56:28: Das ist wirklich Gesamtkunstwerk.

00:56:30: Das muss ich nicht haben!

00:56:33: Ich fand es dann damals auch in Schwerin als Ort toll das so zu haben.

00:56:40: Aber wie schon gesagt, ich bin ein großer Sebastian Hartmann Fan und würde schon sagen dass mir von den Sachen, ich habe acht von zehn Sachen jetzt gesehen, der Hauptmann von Köpenick am besten gefallen hat.

00:56:51: weil Weil es eben schon der Fall ist, wo es eine Künstlerhandschrift gibt, die ich super toll finde.

00:57:08: Die wiedererkennbar ist ohne aber ständig dasselbe zu machen.

00:57:11: Ich meine ... Es gibt natürlich immer nur in jeder Generation so, ich weiß nicht, fünf, zehn Leute, die wirklich genuin eigenes machen... In allen Künsten auch im Theater und Davon war jetzt eigentlich Holzinger vertreten und Sebastian Hartmann vertrete.

00:57:29: von allen anderen, müsste ich jetzt mal durchgehen.

00:57:33: Würde ich das aber nicht sagen.

00:57:35: Jemand der sowas auch ist es Ulrich Rasche, der diesmal nicht dabei war bei den letzten Jahren ganz oft eingelernt geladen war wo man dann schon sagen kann ja gut dessen Sachen äh ähneln sich einfach so stark.

00:57:52: oder Christoph Marthaler ist so jemand wo man sagt, irgendwann sagt das ist immer wieder toll.

00:57:58: Aber es ähnelt sich jeweils so stark dass so eine Theater treffen Jury überlegt gehört, jetzt ist das wirklich noch so bemerkenswert schon auch im Blick aufs Werk, das man schon kennt.

00:58:10: natürlich ist würde sagen jede rasche Inszenierung interessanter als sieben von den Sachen die ich jetzt in Theater treffen gesehen habe.

00:58:19: Aber es ist natürlich als rasche Inszenierung nicht nochmal neu.

00:58:21: interessant, weil er sich jetzt noch mal anders aber auch sehr widererkennbar eine Sache genähert hat.

00:58:28: Und insofern ist deswegen Sebastian Hartmann glaube ich auch eingeladen, weil der vergleichsweise stark abweicht von dem was man so als wieder erkennbare Handschrift von ihm kennengelernt hat.

00:58:41: Was hat dir denn am schlechtesten gefallen?

00:58:44: Na

00:58:44: ja du warst ja... Da wollen wir doch jetzt die ganze Zeit wieder hin!

00:58:46: Du warst Ja dabei!

00:58:50: Ja, also ich weiß gar nicht wie viele ich insgesamt gesehen habe von den Inszenierung.

00:58:55: Müsste jetzt kurz durchzählen?

00:58:56: Also ein paar auf jeden Fall!

00:58:59: Ich fand halt leider im Three Times Left ist Right einen ganz tiefen Tiefpunkt aber nicht nur im Vergleich zu den anderen Inszenierungen für die ich teilweise auch nicht viel hatte, also wie zum Beispiel der Leopard von Pinakarabulu.

00:59:20: Das war vollkommen in Ordnung aber das habe ich nicht... Also warum das jetzt abgesehen von dem immer wiederholten damit alles zu bleiben kann?

00:59:36: Wie es ist muss sich alles ändern.

00:59:39: Meine Davis-Konti-Filme ist auch sehr schön abgesehen davon, dass man da eine ungeschnitte zwanzigminütige Ballszene hat.

00:59:48: Also ich fand das was wir da gesehen haben am Samstag hau aus ganz vielen Gründen tatsächlich unterirdisch und vielleicht vor allem aufgrund der der extrem unter Komplexheit des Textes, der gesprochen wurde aber auch aufgrund der künstlerischen Mittel, die gewählt wurden um das jetzt rüberzubringen.

01:00:30: Also um das für diejenigen vielleicht auch zu beschreiben, die es nicht gesehen haben.

01:00:35: Das ist ein Stück dass sich mit der Beziehung zwischen dem Germanisten Helmut Leten und seiner Frau einer Philosophin und Autorin Caroline Sommerfeld beschäftigt, die nachdem sie zunächst linke Positionen, die auch diejenigen ihres Ehemanns sind wohl geteilt hat eine extreme Rechtswende gemacht hat.

01:01:05: Und so in die rechte Publicistik sich sehr stark orientiert hat.

01:01:11: Und diesen Fall, der auch von einer Beziehung handelt in der es einen großen Altersunterschied gibt wird dort auf die Bühne gebracht und ich meine das fing ja schon mal damit an dass die beiden Schauspieler Das Stück spielen, also zunächst nackt auf die Bühne kommen.

01:01:30: Du hast jetzt gerade eben schon auch davon gesprochen welche Rolle Nacktheit vielleicht im Werk von Florentina Holzinger spricht und wenn man das ein paar Mal gesehen hat fängt man tatsächlich an anders darüber nachzudenken.

01:01:43: oder meinen Nachdenken Überkörper, meine Betrachtungsweise auch quasi mein Selbstverhältnis beeinflusst das jeweils sehr stark.

01:01:53: Wenn ich das sehe im Fall jetzt von three times left is right sieht man zwei nackte Schauspieler die sich dann nach einer Weile irgendwie anziehen und es fängt aber eigentlich schon damit an dass ich mir das nicht erschlossen hat warum dieses Mittel eingesetzt hat.

01:02:13: und das ist was mich sehr stark erboßt insgesamt auf der Bühne, und zwar nicht weil ich keine nackten Leute sehen will sondern weil das einfach ein starkes Zeichen jeweils ist.

01:02:28: Und ich würde erwarten dass das bewusst eingesetzt wird.

01:02:31: Es gab in der Inszenierung finde ich mehrfach Punkte an denen man dachte hier werde ich fallen gelassen.

01:02:38: also ich habe mich danach nach dem Stück noch mit einem Freund getroffen, der wissen wollte wie es so war oder was dann jetzt eigentlich das Problem war.

01:02:47: und ich habe gesagt ja es gibt bei Stücken aber manchmal auch bei Büchern oder in Filmen manchmal so einen Punkt man merkt wir kommen nicht mehr zusammen.

01:02:55: Also wenn du dich dafür entscheidest dieses Mittel einzusetzen dann haben wir so einen großen Grundsatzkonflikt darüber was Du für richtig hältst in Deinem Medium dass es nicht geht.

01:03:06: Und für mich war dieser Punkt in Three Times Left ist Right erreicht als eine Szene gezeigt wurde, in der jetzt das Paar schon eins geworden war.

01:03:17: Am Anfang waren sie es nicht.

01:03:19: Sie gehen draußen spazieren mit ihren mittlerweile zwei Kindern und ein Kind winkt oder interagiert mit einem mutmaßlich muslimischen Mann die migrantisch geprägt sein könnte.

01:03:38: und darüber entspint sich dann also ein Grundsatzkonflikt zwischen den beiden.

01:03:43: Und es ist nicht nur so, dass kein Kind auf der Bühne ist sondern irgendwie eine Luftfigur angesprochen wird was ich schlecht gemacht fand.

01:03:51: Also an der Stelle auch schlecht gespielt leider muss man sagen.

01:03:54: Sondern ich fand diese Stromandiskussion wirklich Ich konnte das gar nicht glauben, weil das so ... war.

01:04:09: ja du siehst hier nur Massenmigration.

01:04:14: Aber ich sehe unseren freundlichen Nachbarn und eine Chance für mehr Integration.

01:04:20: Und da hab' ich wirklich gedacht Leute also... Ja

01:04:22: aber das war doch insgesamt nothing to write homeobard.

01:04:24: Ich habe mich nur gewundert dass das dieses Podium bekommt.

01:04:28: Du vorher auch gesagt hast... Doch,

01:04:29: es war something to write home about.

01:04:32: Weil das eben doch wirklich das unterschreitet was man also irgendwie erwarten darf.

01:04:37: Also ich darf doch irgendwie erwartern nicht...

01:04:40: Genau aber mich hat auch nur überrascht dass so etwas zum Theater treffen kommt.

01:04:44: ansonsten fahre ich einfach so indiskutabel.

01:04:47: Es

01:04:47: wäre halt

01:04:48: die Frage

01:04:50: ob's nichts anderes gab in der Freien Ziele.

01:04:52: Das war wirklich die Frage.

01:04:57: Man muss davon ausgehen, dass das in der Jury genuine Fans hatte.

01:05:03: Es ist jetzt nicht nur eine funktionale Einladung sondern es muß Leute gegeben haben die das wirklich toll fanden was ich komplett nicht nachvollziehen kann.

01:05:11: Das ist mir völlig unverständlich weil du hast jetzt eine Szene rausgegriffen.

01:05:17: aber eigentlich kann man jede einzelne Szene ... aus diesem Ding oder jeden einzelnen

01:05:21: Move.

01:05:21: Sie war doch exemplarisch, Eckhardt!

01:05:24: Schon den Einstiegs-Move, das beginnt ja mit so einer Serie von Triggerwarnungen...

01:05:28: Von denen dann keiner eingelöst wird?

01:05:30: Auch enttäuschend auf eine Art?

01:05:31: Ja,

01:05:32: Nudity gab es.

01:05:33: Am Ransplaining gab's.

01:05:34: Am Finäresdenken

01:05:35: gab's auch.

01:05:36: Mein Gott aber ist...

01:05:37: Aber schon da merkt man dass der einfach irgendwie mit der Schrotflinte auf ein Feld feuert wo er irgendwie Provokationen auslösen will.

01:05:46: Völlig unfokussiert Ist es noch nicht mal klar, was dieses Ding überhaupt von der Haltung hat?

01:05:52: Zu irgendwas.

01:05:53: Außer dass das irgendwie provozieren will und sowohl die Rechten wie die Linken ... Und

01:06:00: ist es auch aber aus Stichwort posttraumatisches Theater oder Dokufiktion als welches sich ja selbst ausflaggt.

01:06:09: Es ist auch ganz unklar, wie sie es jetzt dazu eigentlich verhält.

01:06:18: durchaus massive ethische Fragen an dieses Stück geht und die Dramatisierung von dieser Beziehung, also um das quasi auch offen zu legen.

01:06:28: Also ich kenne Helmut Leten persönlich ganz gut, also schon länger nicht gesprochen aber gut genug mit Genugzuneigung, mit einer gewissen Nervosität auch darauf zu gucken wenn Dieser Stoff wirklich verwurstet wird.

01:06:49: und das kann man ja auch insofern sagen, weil es also am Ende der Enzenierung eine quasi kanibalistische Szene gibt.

01:06:56: In der also der Hauptdarsteller zu Wurst verarbeitet wird.

01:07:02: Im wahrsten Sinne des Wortes muss es leider so sagen ist war so.

01:07:07: diese Wurst wird dann dem Publikum angeboten.

01:07:10: Und nun ist es so dass Also Helmut Leten und seine Frau, sich selbst der Öffentlichkeit ja auch zum Fraß vorgeworfen haben.

01:07:19: Also es hat eine New York Times-Home Story über die beiden gegeben.

01:07:22: im Jahr zwei Tausend Achtzehn.

01:07:25: für mich ein vollkommen unverständliche Entscheidung aber das sei jedem selbst überlassen.

01:07:31: dann muss man natürlich irgendwie auf ne Art mit Bezugnamen da drauf nicht besonders viel Mitleid haben.

01:07:41: gleichzeitig ist es so dass eine Entscheidung ist, ob man darauf Bezug nimmt und dann auch sich tatsächlich damit auseinandersetzt oder ob man sagt ja crazy.

01:07:53: Dreißig Jahre Altersunterschied und außerdem noch rechts links da können wir jetzt ein Stück draus machen indem wir mit viel Kunstblut nackt halt und am Ende einer Witzigkeit kennt keine Grenzen, mäßigen Wurst.

01:08:16: Genau.

01:08:16: Ich gab auch vorher ein bisschen Mützelschreit, ich sage nur Hitlergroß ...

01:08:22: Ja, auch noch!

01:08:23: Also das ist irgendwie ... Das ist doch so ... Irgendwie am Altkluger-Sechzehnjähriger kommt auf genau diese Idee oder nicht?

01:08:34: Ich glaube, dass die Mühe sich da nicht so reinzuhauen, weil das Ding ist einfach so schlecht, dass man es am besten vergesst.

01:08:41: Da ist ja der Umstand, Dort präsentiert wurde bei den bemerkenswertesten Aufführungen, das ist in der Tat

01:08:50: absolut.

01:08:51: Ja und deswegen ist es doch schon bemerkswert dann muss man ja irgendwie darüber reden welche Funktion hat jetzt irgendwie die?

01:08:57: also man kann natürlich auch Kritik durch Nichtbeachtung sozusagen betreiben.

01:09:00: würde ich in diesem Ich finde das fand dass so niederschmettern wie nicht Beachtung wählen würde, weil...

01:09:07: Ich saß hinter Eckhardt in der Reihe.

01:09:09: Ich konnte das schon während der Aufführung an deiner Körpersprache bemerken, dass es hier in Reihe vier für das Stück nicht gut ausgehen wird und in Reiher fünf aber auch nicht.

01:09:24: Ja also ich meine sozusagen man kann ja die Meta frage stellen was um Gottes Willen hat Daran diesen Reiz ausgeübt, es einzuladen.

01:09:35: Ja und das finde ich eine wichtige Frage.

01:09:37: ja und also da muss man traurigerweise sagen ist reicht offenbar rechts links Polarisierung einfach nur auf die denkbar dümmste gröbste Weise anzutriggern um dass zum theater treffen zu bringen?

01:09:52: das ist natürlich keine besonders erfreuliche Diagnose für, sagen die Unterscheidungsscharfe dieser Jury.

01:09:58: Aber man muss es sagen so ist das offensichtlich durchgewiesen.

01:10:01: Ich glaube was war eben auch darauf hin dass genau dieser Punkt also dieses Thema der nämlich die Polarisierungsfrage rechts links nicht einfach zu bearbeiten ist und offenbar auch nicht leicht ist, Stoffe zu finden die man so inszenieren kann dass was zeitgenössisch instruktives dabei rauskommt.

01:10:31: Also eine andere Inszenierung die zu sehen war die sich an dem Thema ja auch auf ne durchaus teilweise plakative Weise abarbeitet ist Mephisto von Jette Steckl wo ich übrigens Schronn sagen würde, dass man den Zeitindex nachdem du eben gefragt hast, also welche Stücke haben ein Zeitindext ist man so sehen kann.

01:10:53: Die sind das in dem Jahr zwanzigern.

01:10:55: Da kann man es auch sehen wenn auch nicht an jetzt formalen Lösungen um das umzusetzen aber jetzt mindestens am Text und an dem was verhandelt wird.

01:11:05: Also weil dort die Der Mephisto-Stoff, also nach der Romanvorlage von Klaus Mann über Schlüsselroman, über Gustav Gründgens.

01:11:19: Er ist schon so gewendet wird, dass es die ganze Zeit auf die Gegenwart übertragbar ist und immer wieder gefragt wird wie kann das sein eigentlich?

01:11:32: moralisch und ansonsten zurechnungsfähige Leute nach rechts kippen.

01:11:37: Und in meiner Perspektive, also ich weiß ihr fandet beide furchtbar... Ich fand es ja ganz gut!

01:11:46: Das finde ich schon auf eine Weise verhandelt bei der man sagen kann das ist irgendwie gegenwärtig.

01:11:52: Also ich fand nur, aber das ist...

01:11:56: Ich

01:11:56: frage mich schon wie weit meine persönliche Reaktion auf so was in irgendeiner Form relevant ist.

01:12:00: Doch!

01:12:04: Ich habe dies nicht im Zuschauerraum gesehen sondern eben in einer Aufzeichnung

01:12:10: und

01:12:10: sonst hätte ich es auch nicht zu Ende gesehen.

01:12:12: Ich hab noch einen Viertelstunden festgestellt, da beginnt jetzt etwas Neues und hatte die Hoffnung dass dieses neue weniger abstoßend ist, die sie einen Viertelstunden nicht vorher ertragen hatte.

01:12:23: Ich fand das so fast von verschmockt und ein Arzt des Spielens ... Ja ich fand da überhaupt keine Auseinandersetzung mit dem Klarkammern... Aber

01:12:34: warum verschmackt?

01:12:34: Also ich wusste nicht was ich wo der Mehrwert gewesen wäre zu meiner Lektüre des Romans.

01:12:41: Den aber wie gesagt es ist.

01:12:43: ich glaube dass der Rahmen hier nicht der dafür ist jetzt eine genaue Inszenierungsanalyse zu machen.

01:12:49: Ich fand es ganz besonders schrecklich.

01:12:53: Ich fand's auch ganz besonders Schrecklich, weil ich glaube einfach alles jetzt von Jette Steckl ganz besonders schlecht finde aber nicht, weil es Jette Steckel ist sondern das finde ich schon irgendwie so sehr exemplarisches Regiteater sozusagen auf höchstem Niveau.

01:13:10: Das sind ja alle ganz tolle Darsteller.

01:13:13: Was man teilweise ... Nein, das ist so.

01:13:15: Was man auch genießen kann.

01:13:17: Ich fand zum Beispiel Erwin Anjukic den kleinen, wüchstigen Nachscher.

01:13:20: Ich hab dem wahnsinnig gerne zugesehen und

01:13:22: zugehört

01:13:23: bei seiner Two-Match'nis.

01:13:25: Aber ich ... Das ist irgendwie im besten Fall ein kulinarischer Genuss.

01:13:29: Und ich geh halt nicht ins Theater für kulinarische Genüsse.

01:13:34: Dann ist es aber so, dass sich jede einzelne dieser Szenen Handwerklich kann man an der Schauspielschule vorführen, das Bühnenbild und wie die Räume gebaut sind.

01:13:48: Alles handwerklich total super aber es hat hinten und vorne keinen konzeptuellen Hintersinn.

01:13:57: Es ist einfach nur...

01:13:59: Ja dem würde ich zustimmen Das gestehe ich zu.

01:14:04: Du sagst, dass die Darstellungsweise sei dir irgendwie zu verschmordgelegen.

01:14:09: Ich fand das ich da Theater selbst gefeiert hat in einer Weise, die mir schon zu oft begegnet ist, dass es mich noch hätte

01:14:16: packen können?

01:14:16: Ja, möchte trotzdem zum Protokoll geben, dass ich vielleicht auch ... beeinflusst durch das, was ich ansonsten gesehen hatte.

01:14:27: Den Eindruck hatte, ja es gibt hier eben tatsächlich so etwas wie Schauspiel und nicht irgendwie... Es wird so Text abgesagt!

01:14:34: Ich meine in so vielen Insnierungen wurde irgendwie Text abgesagten.

01:14:38: Das hat auch teilweise mit den Romanvorlagen zu tun.

01:14:41: also in der Leopard fand ich das ganz auffällig.

01:14:44: Der Text ist großartig aber ich kann mir auch ein Hörbuch anmachen wenn ich das auf diese Weise irgendwie oder einen Hör.

01:14:52: Wenn ich das irgendwie auf diese Weise sehen will, dann muss ich nicht... keine Ahnung.

01:14:57: Ich habe mich sehr lange damit beschäftigt darüber nachzudenken ob der Graf wohl ein Tupit ist oder ich war verzweifelt.

01:15:10: Dann hab' ich angefangen darüber nach zu denken und dass es mir zumindest bei mir Fisto nicht so gegangen, was ich mir irgendwelche Meta-Gedanken gemacht habe, sondern ich konnte irgendwie da dranbleiben, was gespielt wurde.

01:15:19: Das ist kein... Ich würde sagen, es gibt auch kein Verhältnis in dem Sinne zu dem Roman und auch nicht wirklich zum Beispiel zu Klaus Mann.

01:15:31: Aber ich will nur sagen im Feld finde ich ist das doch schon dann tatsächlich bemerkenswert?

01:15:44: Ja also für mich nicht und ich find...

01:15:46: Dann halt nicht!

01:15:48: Also ich finde die Botschaft ist super Platt.

01:15:53: Und dann wird auch noch ...

01:15:55: Das liegt ein bisschen in der Vorlage, also... Ja natürlich!

01:15:59: Aber die sind

01:15:59: ja nicht aufgezogen worden oder?

01:16:04: Oder was?

01:16:05: Nein sie sind da auch nicht hineingeraten.

01:16:08: Man hat alles daran immer schon verstanden und dann wird das nochmal auf diese super selbstfeierende Theatermittel präsentiert und dann gibt es noch so Momente die irgendwie wie schlimmster später Klaus Paimann sind, wo dann auch noch bis in die Nähe des Kabarettes Gegenwahrtsbezug hergestellt wird.

01:16:33: Aber dann denk doch mal an die ganzen Münchner Deutschalkars, die jetzt alle ihre Unterrichtsreihe zur Literatur im NS.

01:16:42: Ja aber das reiche ich mich auch wirklich, dass deren Erstberührung mit Theater sowas ist!

01:16:48: Ja, gut.

01:16:48: Also ich kann dir ja sagen...

01:16:49: Und wann ist die Frage,

01:16:50: ob das dann auch für das Theater treffen die richtige Wahl

01:16:53: ist?

01:16:56: Danke, das ist jetzt eine ganz tolle Überleitung.

01:16:58: Also ich meine geht es nicht irgendwie um die Schönheit des Vorfindlichen.

01:17:04: also darüber würde ich sage ich noch sofort was?

01:17:07: aber ja natürlich ist dann die Erstbührung mit Theater vielleicht so und das wird auch nicht verhindern dass bei den Theater Kids, die es ja wahrscheinlich immer irgendwie noch gibt.

01:17:20: Der Funko überspringt oder nicht?

01:17:21: Also ich meine ... Ich bin irgendwie in der Wolle gefärbtes Theater Kid aus den städtischen Bühnen Münster und damals gab's irgendwie das avancierteste, was da zu sehen war, war Angels In America von Donald Berkenhoff inszeniert.

01:17:39: In meiner Erinnerung immer noch ein großer Abend.

01:17:43: aber... vermutlich irgendwie ästhetisch weit zurückbleibend hinter dem, was Jette ... Jette Steckl irgendwie ... Ja

01:17:53: absolut.

01:17:53: Erwischt mich natürlich an einem Wundenpunkt.

01:17:55: Meine Theaterkit-Prägung war Tournee-Theater ans Fach.

01:17:58: Warst

01:17:58: du dann wenigstens auch im

01:18:00: Theater?

01:18:00: Als Nathan der Weise, Gunnar Möller Ingrid van Bergen als abgehalfterte Darsteller in Niederland durch die Stadt, nicht mal Stadtheate sondern Häuser... Dann das Bühne!

01:18:13: Also wie

01:18:14: Landesbühne, Baden-Württemberg und so.

01:18:16: Gibt es übrigens bis

01:18:17: heute diese Theater?

01:18:18: Ja

01:18:18: natürlich!

01:18:19: Das wäre sicher auch mal ein interessanter Blick darauf aber...

01:18:22: Was du denn eigentlich abproposierter Kid hast du dann wenigstens auch selbst gespielt im Theater-Jugendclub?

01:18:29: Nein, weder war ich je Ministerant obwohl der Pfarrer das unbedingt wollte.

01:18:34: Das unterscheidet uns.

01:18:35: Ich verweide es, Ministerin und auf der Bühne ja egal.

01:18:39: Und auch zu den Pfadfindern habe ich nie gefunden.

01:18:42: Die letzte Frage, die mich interessiert hätte wäre.

01:18:45: Ich habe den Eindruck gehabt, dass doch sehr viele Stücke nicht fürs Theater geschrieben sind aber adaptiert.

01:18:53: Mein Eindruck war das nach den Zweitausenden eine ganze Welle von Brosa-Adaptionen für's Theater Neues gebracht hat.

01:19:08: Vermutlich zunächst mal aus der Not geboren weil die Stücke wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wird zu wenig.

01:19:19: oder wie sind ... Wie erklärt sich das?

01:19:23: Ist die Not noch immer so groß?

01:19:26: Ist es eine sichere Wahl, weil man sagt okay da haben wir was.

01:19:31: Da können wir schon voraussetzen dass im Stimmtes Publikum das kennt und da gibt's ein Grundinteresse.

01:19:37: Oder was ist der Grund, dass selbst bei einer zehn bemerkenswertesten Aufführungen, die Hälfte Texte sind, die überhaupt nicht für theatrale Auffführung gedacht waren.

01:19:49: Ja also da wären wir ja vorhin fast schon mal hin abgebogen als es um Reinhold Götz ging.

01:19:55: Natürlich gibt es Gegenwartstramatik und natürlich wird auch Gegenwartstrahmatik gespielt aber es ist irgendwie so ein... Also da gibt es mehrere Probleme damit.

01:20:05: Also einerseits wird gesagt Es gibt erfolgreiche Gegenwartstramatik.

01:20:08: Friede Jellinek ist sehr erfolgreche Gegenwartstraumatik, also doch wird auch nachgespielt wobei es schon ein Problem von Gegenwartztraumatik ist dass sie eigentlich kaum etwas davon jemals Klassikerstatus erreicht.

01:20:24: Das meiste wird überhaupt nie nach gespielt.

01:20:27: Also es gibt Stückaufträge von einzelnen Theatern die dann an GegenwartsautorInnen Aufträge rausgeben, die schreiben das und das ist okay bezahlt.

01:20:37: Theater ist immer noch, also weil da Staatsgelder drin sind.

01:20:41: Ist das immer noch halbwegs an der Stelle okay bezahlt?

01:20:45: Nicht ok bezahlt sind die Schauspieler meistens, vor allem die Anfänger.

01:20:52: Aber es ist

01:20:54: auch

01:20:55: kein Zufall, dass da jetzt nichts davon im Theater treffen ist.

01:20:58: Selten landet etwas davon im Theatre treffen.

01:21:01: Das hat zum einen damit zu tun, dass eben großes Theater in Deutschland ... sich auf Regiehandschriften und Inszenierungen konzentriert, nicht auf Sprache oder Texte.

01:21:13: Könnte man sagen ja warum machen dann aber die tollen Regisseurinnen nicht Gegenwartstexte?

01:21:21: Das Problem beginnt schon damit dass eben diese Texte nur uraufgeführt werden.

01:21:28: das heißt man muss eine und diese Erstinszenierung sind dann relativ treu Was man verstehen kann aus Sicht der Autorin, weil man will ja seinen Text aufgeführt sehen und nicht einem Regisseur, der da seine Dinge damit treibt.

01:21:43: Aber nun ist ein Regisseure die Dinge mit.

01:21:45: was treiben eigentlich das, was primiert wird und was ja auch eigentlich, würde ich schon sagen, das Interessanteste ist Und deswegen gibt es sie gegenwas dramatisch als Nebenszene.

01:21:56: Es gibt fast parallel jetzt gerade im Moment noch Mühlheim.

01:22:00: Da werden die Gegenwartstücke gespielt und gezeigt und ausgezeichnet.

01:22:05: Und da geht es tatsächlich nicht primär um die Inszenierung, obwohl sie eingeladen werden, sondern da geht das primär über die Qualität des Textes.

01:22:13: Diese Texte wird in Deutschland schon lange so was wie Well-Made Plays geschrieben ... ist auf einer ganz anderen Szene.

01:22:25: Das ist sozusagen populär, das ist dann eher in privaten Theatern.

01:22:29: Da gibt es auch durchaus erfolgreiche, ganz viel gespielte nachgespielte Sachen.

01:22:33: Das hat aber sozusagen in der Welt von Theatertreffen und Müllheimen... ...und so gar nichts zu tun.

01:22:41: Aber ist auch so dass das meistens superkonventionell ist.

01:22:44: was da passiert,... ...ist aber zum Beispiel ganz anders als in Großbritannien wo es ganz viele... sehr viel gespielte und sehr populäre Air Wellmade Place gibt, die inzwischen auch sehr stark Regie-Theater handschriftlich inszeniert werden.

01:23:00: Aber trotzdem ist da sozusagen das Stück und der Text noch viel mehr im Zentrum.

01:23:05: Es wird gerne kritisiert dass... ...im deutschsprachigen Raum entstehende dramatische Texte eben eigentlich gar nicht dramatisch sind sondern Textflächen.

01:23:15: Da ist Helleneck natürlich auch ein Beispiel, da ist in gewisser Weise auch Reinhard Götz ein Beispiel.

01:23:22: Interessant eben, dass er denkt, er müsste jetzt mal versuchen doch wieder zu so etwas wie Dialogen und Figuren zurückzukehren.

01:23:30: Hatte auch getan in Reich des Todes und Baracke.

01:23:34: Ich finde es tatsächlich nicht wahnsinnig geglückt.

01:23:38: Fand es auch in den Inszenierungen nicht so das ich dachte okay hier hat der jetzt einen Weg gefunden.

01:23:44: Ich find aber ganz viel was ich dann im Mühlheim sehe schon ok aber eben auch nicht wirklich bezwingend.

01:23:53: Also das hat zum einen damit zu tun, dass die Inszenierungen oft nicht bezwingen sind und dann hat es damit zu tun, dass diese Texte sich als eine Form von Literatur verstehen, die tatsächlich oft sehr nahe an Prosa-, aber eher avancierte Prosa- wenn nicht galürig ist.

01:24:12: Das ist ein sehr stark über Sprachbearbeitung funktionierendes Schreiben was interessant ist, weil da es sozusagen als Belittristik nicht verkäuflich wäre und Lyrik ist sowieso nicht verkräuflich.

01:24:26: Es hat irgendwie so ein Impuls das experimentell wäre.

01:24:31: zu viel gesagt aber eines literarisch sprachspielerisch anspruchsvollen Schreibens ist in die Dramatik gegangen und zum Teil sind das auch literarische tolle Texte.

01:24:41: sie sind nur einfach nicht besonders dafür geeignet auf der Bühne gesprochen zu werden oder gespielt zu werden, vieles davon.

01:24:50: Also das ist ein Problem und deswegen kann man sagen ja eigentlich wäre es total interessant diese Texte zu lesen.

01:24:59: also jemand wie Ennis Marchi schreibt tolle Texte.

01:25:01: ich habe aber wirklich noch nicht soviel davon gesehen was von dem ich sagen würde es funktioniert auf der Bühne als Theaterstück.

01:25:09: Ein bisschen anders vielleicht Sivan Ben-Yishai die in der Szene auch ein Stiles Aber selbst da ist es so ein bisschen in diesem anderen Segment, dass dann eher in Mühlheim landet und sie gewinnt an den Mühlhaim den Preis.

01:25:25: Aber eine Inszenierung landet eher nicht beim Theater treffen.

01:25:30: Es gab einmal einen richtigen Skandal.

01:25:34: Sebastian Hartmann hat ein Stück Uhr inszeniert.

01:25:40: Ich habe schon den Titel Das ist mir gerade entfallen.

01:25:43: Ist ja auch nicht so wichtig, war eine ganz grandiose Inszenierung und hat vom Stück nichts übrig gelassen.

01:25:48: Also hat es wirklich auf eine Weise... ...ist jetzt übersrieben gesagt aber der Verlag... ...hat die Predikat-Uhraufführung zurückgezogen weil das Stück noch nicht mehr erkennbar war.

01:26:04: Das ist dann das Problem.

01:26:06: Das wäre etwas gewesen wo ich sagen würde dass... ...das war auch sehr erlerbst umstritten weil da auch... Gewalt, Nacktheit, Prostitutionen auf eine Weise inszeniert wurden.

01:26:20: Die viele superproblematisch waren und ich fand es eigentlich großartig.

01:26:23: aber das war nochmal der Skandal im Skandal.

01:26:27: Aber der erste Skandal war dass da ein Textur aufgeführt wurde... ...der als Text nicht wiederzuerkennen war und das ist auch ein Problem.

01:26:35: also man müsste mit diesen Texten auf einer Weise frei verfahren können auf die man mit ihnen nicht verfreien kann.

01:26:42: Weil sie nur einmal gespielt werden, nur einmal aufgeführt werden und dann sind sie sowieso wieder weg als Text.

01:26:47: Und auch das ist so ein kleiner Teufelskreis.

01:26:49: deswegen machen die richtig tollen eigensinnigen Regisseurin tendenziell nicht außer eben Jellinek eher nicht gegenwärts.

01:27:01: aktuelle Gegenwartstramatik

01:27:03: Ja, abgesehen davon dass die Dramatisierung von Romanstoffen, also insbesondere von Roman, die selbst eben relativ bekannt sind.

01:27:14: Auch was eventuell zur Auslastung von Häusern beitragen können weil Leute kommen dann um meine wegen Willeback oder Wild oder was auch immer inszeniert zu sehen.

01:27:27: Ein Punkt, über den wir auch noch gar nicht gesprochen haben, wo es eine kleine Debatte gab oder zumindest Diskussionen unter anderem ausgelöst von einem FHZ-Artikel von Simone Strauß, der also über die zu geringe Auslastung von vielen Häusern spekulierte mit dem Auffänger Schauspielhaus Zürich vorher eben jetzt die eben schon erwähnte Deliopat Inszenierung kam, was mir die Chance gibt noch auf eine Sache zurückzukommen.

01:28:02: Die ich eben erwähnt habe von der ich denke dass wir sind da noch ansprechen wollten nämlich die Frage nach... Ich hatte das glaube ich eben so gesagt Scham des Vorfindlichen oder sowas Das Theater treffen ja auch abbilden soll unter Umständen.

01:28:17: Ich sage das insofern als dass es gestern einen Artikel in Nachtkritik gab von Christine Waal, den du Christian und mir weitergeleitet hast.

01:28:30: In dem sie über die Frage dessen was ist vorfindlich?

01:28:34: Was soll repräsentiert werden daraus?

01:28:36: Welche politische Funktion hat welche Art von Repräsentanz nachgedacht hat?

01:28:42: anlässlich der Quote, die das Theater treffen sich selbst im Jahr two-tausendneunzehn gegeben hat, womit gemeint ist eine Quote für weiblich interpretierte Regisseurgrin sage ich jetzt mal.

01:29:01: Und ihr Argument war eines das gegen diese Quote optiert hat die jetzt auch abgeschafft werden soll, mindestens die nächsten zwei Jahre.

01:29:17: Und eben sagt ja einer der Vorteile des Theater-Treffens ist oder eine der Sachen, die man daran nutzen muss das... das Stücke zeigt, die halt da sind.

01:29:30: Also es geht darum zu zeigen was ist der Stand und wenn der eben sozusagen schlecht ist, was Quoten angeht, was Diversität angeht dann sollte das auch sichtbar sein.

01:29:42: oder man muss dann irgendwie darüber reden oder anders reden oder wie auch immer.

01:29:49: Du bist auch gegen die Quote hast du gesagt warum?

01:29:53: Ich

01:29:53: bin an der Stelle von Anfang an gegen diese Quote gewesen.

01:29:56: Ich glaube tatsächlich, dass sie segensreich war – politisch und diversitätspolitisch.

01:30:03: Das war auch immer das Argument dafür.

01:30:05: Das Argument dagegen war auch klar.

01:30:07: Wenn ich eine Jury habe die aus Kritikerinnen besteht dann hat die genau ein Kriterium nämlich ist es esthetisch gut oder ist es ästhetisch nicht gut oder bemerkenswert?

01:30:23: Aber als ob das klar wäre, was das heißt muss man ja auch mal sagen.

01:30:26: Ja klar darüber kann man dann diskutieren aber das ist das Kriterium und alles was dann als kriterium von außen auf erlegt ist diesem kriteriums schlicht und einfach fremd.

01:30:37: damit zerstört man zu einem gewissen teil die jury als unabhängige kritiker.

01:30:43: innenjury Das war immer mein argument und das finde ich auch nach wie vor ist so.

01:30:48: Dann kann man natürlich abwägen.

01:30:50: Kann dass nicht gründe dafür geben sozusagen über die Jury und das derartige Treffen hinausgehend, zu sagen ja aber es kann gut sein dass ich damit etwas bewirke was absolut wichtig und richtig ist nämlich dass sehr viel mehr Frauen oder weiblich gelesene Regie Künstlerinnen überhaupt engagiert werden.

01:31:12: Das derarte treffen ist wichtig.

01:31:13: Theater wollen zum Theater treffen.

01:31:17: Chance besteht, sichtbarer zu werden.

01:31:20: Kann das durchaus ein Impuls sein?

01:31:21: Ich glaube es ist ein Impulz man kann das nicht nachweisen aber es hat sich tatsächlich sehr viel getan.

01:31:26: also diese Abwägung ist einfach eine Abwägung und ich würde immer sagen wenn ich schon mal ne Kritiker in Jury habe die genau einen ganz klar definiertes Kriterium hat unter dem man immer weiter diskutieren kann auch über politische Aspekte wie wird Politik hier behandelt?

01:31:47: oder Kann es ein ästhetisch tolles Stück sein, obwohl es sich komplett apolitisch gibt.

01:31:53: All das kann man in der Ästhetik argumentieren.

01:31:56: Also da was drauf zu legen, was von außen kommt und nur funktioniert hat weil es eine Selbstbindung der Jury gab, das wurde jedes Mal wieder abgestimmt.

01:32:03: Da war ich von Anfang an dagegen und finde das einfach superproblematisch an genau dieser Stelle.

01:32:08: Weil wo hat man das überhaupt schon mal so ne Jury?

01:32:12: Das ist selbst beim Buchpreis ja nicht so, da ist ja auch schon von vornherein so reinkurratiert das Buchhandel mit drin ist und so weiter.

01:32:19: Ich würde sagen dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem wir zum Ende wieder endlos weitersprechen oder jetzt mal aufhören.

01:32:26: Und ich würde mich freuen wenn wir es bei den nächsten Theatertreffen wiederholen würden und zwar dann vielleicht mit dem anderen Schwerpunkt nämlich uns eine Inszenierung rausnehmen oder zwei Dezidiert über die Inszenierung sprechen, denn das ist ein Punkt der natürlich heute mit diesem General-Schlüssel etwas ins Hintertreffen gekommen ist.

01:32:50: Vielen Dank Eckerhardt!

01:32:52: Danke

01:32:53: Eckerhart!

01:32:53: Ja war mir eine Freude und am Samstag geht's nach Magdeburg.

01:32:58: ich bin sehr gespannt.

01:33:00: Viel Spaß!

01:33:06: In der nächsten Folge der Krummen Straße sprechen Hannah Engelmeier und Christian Demand über rote Linien das aktuelle Jahresthema des kulturwissenschaftlichen Institutsessen.

01:33:17: Zu Gast ist Mona Leinung, die derzeit am KWI über die politische Metaphorik des Kalten und Heißen forscht.

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